Netzspuren Teil 2

Während andere Netzbewohner sich weiter bei Knuddels rumtrieben und die Suchmaschine Lycos gerade von Google abgelöst wurde und man munkelte, dass es bald eine große Verkaufsplattform geben würde, löste ich mich von dort und ließ mich durchs Netz treiben. Immer auf der Suche nach etwas Neuem, etwas was mich fesseln würde, etwas worin ich mich verbeißen könnte. So klickte ich mich Seite für Seite durch. MSN Messenger und Yahoo kamen auf den Markt. Während die Massenchats immer mehr Ablauf hatten, installierten wir bereits MSN zum ersten Mal.

Ich klickte mich so durch unzählige Internetseiten. Nie verweilte ich lange auf einer Seite. Immer klickte ich schon nach wenigen Minuten weg. Mit den worten „langweilig, langweilig, langweilig…“

Doch dann erregte auf einmal etwas meine Aufmerksamkeit. Eine Gruppe von Leuten, augenscheinlich in einer vom Admin verlassenen Source. Ich schaute mich um und fand es spannend.  Es jagten sofort tausend Fragen durch meinen Kopf. Wie lange wohl so eine Source ohne Admin überleben kann? Da ich diese Frage schnell weiter gab, wurde die Gruppe Menschen auf mich aufmerksam und als sie dann auch noch erfuhren das mein Freund Admin war, waren sie nicht mehr zu halten und fragten, ob wir nicht Lust hätten mit ihnen etwas aufzubauen. Mein Freund und ich überlegten nur kurz, denn wir suchten ja gerade nach etwas Neuem und Spannenden. Da kam uns etwas das man erst aufbauen musste gerade recht.

Wir hatten schon so ein wenig Erfahrungen sammeln können. Hatten hier und da mal eine Internetseite gebaut oder auch mal ein Forum aufgesetzt oder halt mal Anderen geholfen bei der Server-Konfiguration. Damals war es noch eher eine Seltenheit, wenn man das konnte. Sowas dauerte auch meist ewig, weil wir gerade die Grenze zum 1 GB Ramspeicher feierten, aber nur wenige Rechner das in einem einzigen Riegel hatten. Wir kamen gerade mal so an 1 GB Ram heran. Das Internet brauchte teilweise ewig, um Seiten aufzubauen oder Grafiken anzeigen zu können.

Wir waren gerade seit einem Jahr ein Paar, als die Jungs uns fragten und wir zusagten ohne groß darüber nach zu denken. Yeah! Endlich eine neue Aufgabe. Das war das Gefühl das wir dazu hatten. Wir ahnten ja nicht, was da kommen sollte. Einer der Jungs bekam eine neue Source (Programm), und mein Freund konfigurierte den Server und packte sie drauf. Das dauerte ewig lange und ich langweilte mich fast schon wieder. Wollte ich wieder aufgeben, bevor es überhaubt online war? Bevor man sehen konnte was daraus wird ? Nein, dafür war ich zu neugierig. Das ging nicht. Das konnte ich nicht und so wibbelte ich auf meinen Stuhl neben meinem Freund, der sich das Fluchen wegen der fehlerbehafteten Source einfach nicht verkneifen konnte.

Es war eine Source bei der jeder Admin fluchte, wenn er sie übernehmen musste. Keiner wusste, was sich die Entwickler bei dem Teil gedacht hatten. So war es auch bei uns und mein Freund hatte einiges zu tun, bis das Teil den ersten Mucks von sich gab. Geil! Das Teil war endlich online und schien zu laufen. Hier an diesem Punkt fingen die Probleme eigentlich schon an, aber das sahen wir da noch nicht 😉

Was haben wir gedacht? Ich weiß es nicht. Wir waren fertig mit dem Aufsetzen, saßen zufrieden vor unserem Rechner während die Jungs immer mehr Freunden und Bekannten den Link gaben und das Programm mit Leben füllten. Mein Freund mochte es nicht so gerne, sich mit Usern auseinander zu setzen, während ich das sehr gerne tat. Also gab es eine unausgesprochene Arbeitsteilung. Ich war für die Leute da und gleichzeitig die Briefträgerin von den Usern zu meinem Freund. Er versuchte dann,  die ihm zu Ohren gekommenen Probleme zu lösen. Es war dabei immer wie verhext, denn es erwies sich als äußerst schwierig an der Source etwas zu ändern ohne das an anderen stellen 10-20 neue Probleme auftauchten. Es vergingen viele Tage des Fluchens und Ärgerns . An Tagen, an denen es gut lief und es mal nichts zu reparieren gab, freuten wir uns einfach darüber das immer mehr User den Weg zu uns fanden. 300… 400.. wir feierten.

Der Erste Server geriet an seine Leistungsgrenze und wir mussten einen Serverumzug machen. Kein Admin macht so etwas gerne und damals schon gar nicht. Tage waren wir beschäftigt den neuen Server vorzubereiten, während der alte immer mehr aus den Nähten platzte und immer mehr User, immer mehr Seitenabrufe produzierten, die der kleine Server stemmen musste. Mein Freund versuchte alles, um die Last so gering wie möglich zu halten, aber nichts half auf Dauer. Wir mussten einfach so schnell es ging umziehen. Mehr schlecht als recht kamen wir auf dem neuen Server an. Es dauerte noch ein paar Tage bis alles klappte und wir es genießen konnten.

Noch mehr User kamen. 800 .. 900… 1000. Immer mehr MSN-Fenster hatte ich gleichzeitig auf, um die Anfragen der User noch zu beantworten. Teilweise – und das war schon an meiner Leistungsgrenze – hatte ich 20 Chats gleichzietig auf. Beflügelt von den steigenden Userzahlen machten wir immer weiter. Wie im Rausch saß ich nun tagtäglich vor dem Rechner. Nur noch wenn es unbedingt sein musste ging ich raus und machte den Rechner aus. 1500 User schrillte die zahl auf….

Die Besucher wollten mehr für ihren Spass haben, wollten ein Forum haben, ein Chat sollte eingebaut werden, ein Kommunikationsprotokoll sollte rein, PN-Funktionen mussten mühsam programmiert werden.
5000 User..
ich war immer darauf fixiert die Userzahlen jeden Tag aufs neue zu kontrolieren und wenn sie wieder einmal gestiegen waren, kam ich aus dem Feiern nicht mehr raus. Als hätte wir an einer Line gezogen. Wie im Rausch waren wir nur noch darauf aus mehr zu tun, alle Wünsche der User zu erfüllen. Aber wie jeder Admin es kennt, hören User nie auf Wünsche zu äussern. Besonders nicht, wenn es so viele werden. 6000 User Ich fing an, beim MSN- Messenger nicht mehr ganz so oft online zu sein, und auf das Hallo das kam wenn ich es dann doch tat, folgten 20 Minuten Schließzeit für die Chatfenster.

In dieser Zeit lachten wir nur noch. Es machte Spass die Bedürfnisse der User zu befriedigen und zu zu sehen, wie sie die neuen Funktionen benutzten, wie sie die Spiele die wir einprogramierten wie irre spielten, den Chat nutzten oder die Shoutbox begrüßten. Mein Gott was für eine Party. 7000 User für damalige Verhältnisse schon sehr groß. Der server ächtzte unter der Last, die Datenbank drohte zu explodieren. Mein Freund kam das erste mal so richtig unter Druck und das merkte man auch. Er war versucht die kaputte Source weiter zu halten und trickste mit Aktionen, wie die Datenbank in ein Ram-Drive auszulagern.

Wir gingen kaum mehr schlafen. Um 2 Uhr Nachts gingen wir ins Bett und um 6 Uhr ging das Telefon, weil der Server mal wieder offline war. Mittlerweile versorgten wir eine Community mit Usern, wo andere einen ganzen Stab an Leuten brauchten. Manchmal drehte ich mich zu meinem Sofa rum und überlegte, wieviel Platz wohl alle Benutzer einnehmen würden, wenn die zeitgleich alle bei mir zu Hause wären. Ich kam zu dem Ergebnis, dass Arme und Beine aus Haustüre und Fenstern heraushängen müssten.  Und dann…..

10.000 User! 7.000 davon gleichzeitig online… und wir hatten es nicht einmal mitbekommen. Wir waren zu sehr damit beschäftigt zu streiten, weil ich auch mittlerweile in eine Art Zwiespalt reingeraten war. Zwischen den Usern die etwas wollten und meinem Freund, der mir sagte das man das nicht umsetzen kann. Meist wollte ich Erklärungen dafür, warum das nicht ging. Doch diese Zeit hatten wir einfach nicht mehr. Auf unserem Schreibtisch türmten sich nerdmäßig, Chips, Cola, Pizza und Tabak. Zum kochen kamen wir schon lang nicht mehr.

Tag X die source platzte …. oder doch wir ???

Wir waren eingeladen und hatten vergessen die Rechner auszumachen. Auf beiden lief MSN und ich hatte so ca. 700 Leute in meiner Buddyliste. Mein Freund ebenfalls. Irgendwas war los. Der Server war nicht zu erreichen wir waren nicht zu Hause. Dann kamen wir wieder. Mein Bildschirm war voller MSN Fenster und total eingefroren, meine Grafikkarte überhitzt und mein Rechner schwitzte vor sich hin. Ok. Neustart dachte ich. Neustart genau bis zu dem Punkt, an dem MSN hochfuhr und zack gingen hunderte von MSN Fenstern auf, mein Rechner frohr ein und Neustart. Mein Freund schimpfte. Bei ihm war es das Gleiche. Nach dem Hochfahren wieder hunderte von Fenstern offen. Der Rechner frohr ein, Neustart. Ich schaute, schon leicht am weinen meinen freund an, der nur noch mit dem Kopf schüttelte, weil die Leute uns wie irre  Nachrichten schickten, dass der Server weg sei. Dadurch konnten wir weder die Chatfenster so schnell schließen bevor unser Rechner einfror, noch den MSN beenden. Total verzweifelt schaute ich fassungslos, mit offener Kinnlade auf meinen sich quällenden Rechner und meinte nur, dass hat keinen Sinn mehr. Wir sind nur zu zweit und nicht ein ganzes Team das wuppen wir nicht mehr. Wir hatten zwar ein Team, aber ein Team von Moderatoren. Keine Admins.

Mein Freund schaute mich mit einem Blick an, und ich wusste genau, das war es jetzt. Mehr geht nicht mehr, mehr kann man nicht tun. Ich nickte ihm zu und wir setzten uns auf unser Sofa, das sehr lange Zeit einfach nicht benutzt worden war. Fasungslos schauten wir beide zum Rechner und die Frage die von mir kam, ließ uns die Tränen in die Augen schießen: „Und das war es jetzt?“ Mein freund nickte nur noch: „Ja, das war es jetzt“. Wir waren ausgebrannt. Am Ende. Wir namen uns in den Arm, blieben noch ein paar Stunden so beieinander sitzen. Danach standen wir auf, löschten alle Festplatten, setzten unseren Rechner neu auf und meldeten uns nie wieder bei der Source zurück.

3 Monate später erfuhren wir, dass der Folgeadmin es nicht geschaft hatte die Source aufrecht zu erhalten und sie ging für immer offline……..

Fazit: wenn ich Heute so zurück blicke, hatte die Source die wir am Anfang bekamen nichts mehr mit der zu tun, wie sie zum Schluss war. Sie bestand aus vielen einzelnen Modulen. Man könnte fast sagen, es war ein Art soziales Netzwerk entstanden, noch lange bevor es FB und Mark Zuckerberg im Netz gab.
Aber ohne großes Team und die nötigen finanziellen Mittel, hatten wir uns einfach übernommen und das, was einfach ein Freizeitspass werden sollte, wurde zur einer beständigen Qual für uns.

 

 

 

WIR HABEN DIE NASE VOLL MIT UNS NICHT MEHR

Heute blogge ich mal über ein Thema, dass mich sehr bewegt und ein paar Fragen aufwirft.

Seit geraumer Zeit kommen immer mal wieder neue Therapieformen für, oder besser gesagt gegen Autismus auf dem Markt. Obwohl man bis jetzt keine Heilung erzielen kann, wird uns versprochen das man unseren Autismus heilen kann, wenn wir zb. Kristallsteine unter unser Kissen legen oder aber den dritten Löwenzahn von links auf Wiese nummer zwei zu uns nehmen. Manche Methoden erinnern stark an die Wunderheiler, die im Mittelalter mit Planwagen durch die Gegend zogen und ihre Tinkturen in den jeweiligen Dörfern anpriesen. So manch einem ist von so einer Tinktur damals schlecht geworden oder schlimmeres. Man mag wohl meinen, dass so ein Verhalten nur dieser Zeit zugeordnet werden kann und es heute wohl kaum mehr vorkommt. Weit gefehlt, wie ich feststellen musste.

Da möchte man mir doch tatsächlich eine Tinktur verkaufen, die angeblich meinen Autismus auslöschen soll. Das neue Wundermittel dieses Jahr nennt sich MMS und kommt aus einer eher unglaubwürdigen Ecke.

Jetzt bin ich Erwachsen und kann mich gut gegen so einen Unfug wehren, doch was machen die Kinder die das nicht können und Eltern haben die sich an jeden Zweig klammern (rw),  damit sie ihrem Kind von Autismus heilen können. Diese Kinder können sich nicht wehren und bekommen das Zeug sogar als Einlauf verpasst. Ich kann sagen: „Nein, ich will das nicht!“ Doch ein Kind, das dazu noch autistisch ist und keine verbale Kommunikation beherrscht, kann das nicht tun und muß solche Prozeduren über sich ergehen lassen. An der Stelle des Kindes wäre ich danach auch sehr friedlich, einfach nur um so etwas nie wieder erfahren zu müssen.

Viele erwachsene Autisten, ebenso wie ich kritisieren die Händler die das Zeug verkaufen und wünschen uns eine solche Therapie / Mißhandlung einfach nicht. Wir möchten das man uns ernst nimmt und daher soll dieser Post von mir auch an alle Eltern autistischer Kinder gerichtet sein. Bitte glaubt solchen Scharlatanen einfach nicht. Last euch bitte nicht einschüchtern. Autismus, und das ist mittlerweile erwiesen, ist eine genetische Variation an der zwischen 400-1000 Genome beteiligt sind und basiert NICHT auf Bakterien, so wie diese Verkäufer einem das weißmachen wollen.

Was mich zu einem weiterem Punkt bringt: jeder Mensch hat das Recht auf Unversehrtheit. Haben wir Autisten dann auch das Recht uns zu wehren und zu sagen, das wir das nicht mit uns machen lassen wollen? Dürfen wir uns nicht äussern zu den jeweiligen Therapien, die uns zugute kommen sollen? Können wir nicht die Grausamkeiten, die hier teilweise laufen auch mal auskotzen und uns mal alles von der Seele schreiben? Ganz ehrlich, ich weine oft wenn ich mal wieder lese, dass solche Leute wieder einen von uns kaputt-therapiert haben – wenn ich mal wieder auf völlig zerstörte Autisten treffe, einfach weil sie sich dagegen nicht wehren konnten.

Sie sagen: sie wissen was gut für uns ist. Wir wüssten das nicht. Sie sagen sie könnten uns heilen, wir wüssten nur nicht das wir wirklich geheilt sein wollen.
Wir wollen es nicht. Nicht so und nicht von ihnen. Sie sagen, dass nur sie wissen wie es uns besser gehen wird und nehmen sogar Fieber gerne mal in Kauf. Sie sagen wir können uns nicht wohl fühlen. ich fühle mich sehr wohl. Sie quälen uns und sagen, dass es nur gut für uns sei. Ich mag nicht gequält werden. Sie sagen wir wüssten nicht was Familien, die Kinder mit Autistmus unter sich hätten durch machen würden. Aber wir sind doch diese Autisten.

All das macht traurig, macht hoffnungslos, gibt uns das Gefühl nichts wert zu sein. Zeigt uns, dass unsere Meinung nichts zählt nicht erwünscht ist. Manchmal sagt man uns das ganz direkt, weil wir doch keine Ahnung von all dem hätten. Wir hätten die Klappe zu halten und das zu nehmen was sie uns als Heilung anbieten.

Manchmal fühle ich mich wie bei den X-Men. Dort in dem Film wollten sie auch immer die Exoten heilen, doch die Exoten wollen nunmal nicht immer geheilt werden. Ich will auch nicht geheilt werden, denn ich bin gut so wie ich bin. Bitte lasst uns unser Sein und unterlasst solche Therapien an uns. Das ist menschenverachtend und mißhandelt die Schwächsten unter uns. Auch wir können und dürfen sauer sein. Und um das zu untermauern und wenigstens etwas unseren Unmut kunt zu tun haben wir einen offenen Brief geschrieben den ich euch nicht vorenthalten möchte. Wenn ihr der gleichen Meinung seit wäre es schön ein paar unterstüzende Kommentare von euch zu lesen.

WIR HABEN DIE NASE VOLL MIT UNS NICHT MEHR

 

 

Update: Zitat aus obigem Link der BfR Bundesinstitut für Risikobewertung

„Miracle Mineral Supplement“ („MMS“) wird als Lösung in zwei kleinen Flaschen im Internetzum Verkauf angeboten. Nach Meldungen aus dem Ausland kann dieses Produkt die Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern beeinträchtigen. Berichtet wurde von gastrointestinalen Störungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, teilweise mit Blutdruckstörungen und erheblichen Flüssigkeitsverlusten. Direkter Kontakt der unverdünnten oder falsch gemischten gebrauchsfertigen Lösung kann zu Haut- und Schleimhautreizungen bis hin zu Verätzungen führen. Inzwischen sind auch in Deutschland Einzelfälle von unerwünschten Wirkungen nach dem Verzehr von „MMS“ bekannt geworden. Ein Teil der Angebote enthält den Hinweis, dass dieses Mittel zur Desinfektion von Wasser dienen kann. Auf einigen Webseiten weisen Befürworter der Verwendung von „MMS“ auf die Möglichkeit einer oralen Einnahme des Produkts hin. Das BfR rät von der Einnahme und der Verwendung von „Miracle Mineral Supplement“ („MMS“) dringend ab. “ Zitat ende

 

 

 

 

 

 

letztes Jahr am 1.April

Dieses Jahr hat mich der 1. April an einen Blogbeitrag von mir von letztes Jahr erinnert. Den wollte ich nochmal mit euch teilen.

 

Warum ich den April-April nicht mag:

Heute morgen fing schon alles sehr gut an. Ich stand wie jeden Morgen auf und versuchte mich anzukleiden, doch bei den Schuhen musste ich feststellen, dass ich den rechten Stiefel einfach nicht an bekam. Auch der vierte und fünfte Versuch blieb ohne Erfolg.
Wie mein Tochter mich dabei beobachtete, bekam sie wohl ein schlechtes Gewissen: “Mama, schau doch einfach mal in den Schuh, ob sich da was versteckt hat.”
Ich: “Wieso sollte sich da was versteckt haben, ich habe dort doch gar nichts reingetan.”
Sie: “Na, überleg mal.”
Ich: “Ne, echt keine Ahnung.”
Sie: “Na weil wir den 1. April haben.”
ich: “Ähmmmmm”
Sie: “April April”

jetzt erst bemerkte ich worauf sie hinaus wollte. Ja klar, hatte ich doch glatt vergessen, dass es so einen Quatsch-Tag gibt.

Also schaute ich in die Stiefel und fand einen Gummiball…..

Schon leicht angenervt, weil ich durch diese Aktion meine täglichen Routinen erst zu spät ausführen konnte, kam dann nach einer halben Stunde der nächste Eklat…

Für meinen Kopf war jetzt also klar: 1. April !!!

Ich lief mit dem Hund raus. Dort begegnete uns ein Nachbar, der wärend er an mir vorbei lief, mir frohe Ostern wünschte, doch für mich war ja klar, dass wir den 1. April haben. Meine Antwort darauf war logischerweise:
*April April*

Durch das komische Gesicht, das mein Nachbar machte, wurde mir klar irgendwas war falsch, aber ich kam nicht drauf was.

Erst nach Stunden dämmerte es mir, dass man ja auf frohe Ostern nicht “April-April” sagen konnte. :-)

Doch da stand ich bereits in einem Kiosk, um noch etwas Schoki zu kaufen. Der Verkäufer war gerade dabei mir zu erzählen, ich hätte etwas auf der Nase, während er mir zeigte, wo genau ich etwas auf der Nase haben sollte, indem er sich auf seine tippte.
Ich rieb mir die gleiche Stelle und versuchte das “etwas” los zu werden.
Immer wieder zeigte der Verkäufer auf eine andere Stelle meiner Nase, während alles um mich herum schon lachte, folgte ich brav den Anweisungen des Verkäufers, bis der nach einer scheinbar ewigen Zeit angenervt meinte:
“April April!”
Hinter mir ne Schlange Kunden. Ich verstand nicht und schaute den Verkäufer erst fragend, dann wiederholend an: “April April ???!!!!”
Dem Kunden hinter mir hat es wohl gereicht, denn er räusperte sich ganz laut, und bestellte dann einfach über meinen Kopf hinweg.
In meinem sah es gerade so aus:

Er sagte: April April!
Ich: Warum sagt der das nur? Ich habe doch nur was auf der Nase.
Er:  April April!
Ich: Was meint er damit nur?
Er: Aprill Aprill!
Ich: Ich hab doch was auf meiner Nase.

Das hätte jetzt ewig so weiter gehen können, wenn mein Bus nicht gekommen wäre.
Wie gut, dass ich im Bus dann ganz alleine war. Wer weiß, in welche Fettnäpfchen ich sonst noch so getreten wäre.
Nur noch einer Nachbarin begenete ich. Sie hatte sich wohl die Haare färben lassen. Ich meinte zu ihr, das ihre neue Frisur schön aussehen würde.
Sie: “Ja, meinen sie wirklich?”
Ich: “Ja… April April!”
Aber dies bermerkte ich zum Glück noch, wie es halb auf meiner Zunge hing. Gerade nochmal gut gegangen.
Aber jetzt schnell nach Hause, bevor noch irgendwas passiert.

Und nun liebe Leute wisst ihr auch, warum ich den 1. April nicht mag.

Ein Leben im World Wide Web

Vor ein paar Tagen bin ich darauf gekommen mir mal Gedanken darüber zu machen, wann ich das erste mal im Netz gelandet bin.

Und alles fing mit einem Nicknamen an. Panta26. Bei uns in der Gegend so um 1996 rum hatte noch kaum einer Internet. Viele Haushalte besaßen noch nicht einmal einen PC. Da war der Haushalt meines damaligen Freundes schon sehr weit. Sie hatten einen PC und auch einen Internetanschluss, ich konnte nicht viel mit dem Namen Internet anfangen, begriff aber sofort das es sich hierbei um nützliche Informationen handeln musste. Das Einwählen ins Internet war nicht sonderlich leicht und hat dazu noch ewig gedauert, zwischen dem Laden einer Internetseite und dem Einwählen konnten teilweise Minuten vergehen. Dazu gab es in der Taskleiste ein Icon, das man nach aufrufen der Internetseite drücken musste um das Internet zu trennen, damit man in Ruhe den Artikel lesen konnte. Denn damals kostete das World Wide Web noch im Minutentakt Geld und es war richtig teuer. Wir waren mit Windows 95 unterwegs, was eh sehr langsam war.

Zwei Jahre später zog ich um und wohnte nun in einer Stadt in der man damals richtig schnelles Internet bekam. 1000er DSL. Mein eigener PC kam per Quelle. Was eine Freude. Noch viel toller war das Einrichten des Internets via Telekomsoftware…..

Das hat dann doch einiges an Zeit in Anspruch genommen. Auch fielen die Preise soweit runter, dass man es sich leisten konnte ca. 2 Stunden im Internet zu bleiben. Ungefähr hier fing meine Zeit im Netz richtig an. Mein Pc war aufgebaut, Internet ging und mit einem Kaffee setzte ich mich vor den Monitor. Der Einwahlbildschirm von der Telekom dauerte ewig bis das Programm sich wirklich einwählte und mir den Zugang erst einmal zur T-Online Homepage frei machte. Yeah endlich frei im Internet, von keinem erwachsenem kontrolliert und ohne größere Zeitbeschränkung. Nur die Seiten machten sich noch furchtbar langsam auf. So kämpfte ich mich vor bis zum T-Online Chat. Es gab noch keine Grafik, das machte den Chat etwas schneller als die bildbehaftete Startseite von T-Online. Auch die ersten Spiele gab es dort. Mahjongg und Solitär waren meine Lieblingsspiele. Der Chat hatte einige Räume und ich fühlte mich gerade unter dem Raum Les Gays am wohlsten. Meine erste Lektion die ich lernen sollte war: Erzähle deiner Mutter niemals in welchen Chats du dich aufhälst und mit was für Nicknamen du unterwegs bist. Das rief eine etwas peinliche Situation hervor,  als auf einmal meine Mutter in den Chat kam und laut in diesen hinein rief: „Hey ich habe  es geschafft ich bin drin……“

Wie gut das man damals keine Cams am PC hatte. So sah niemand meine hochrote Birne.

Flapsy war von nun an mein Nickname. Ich fand den schön. Meine Mutter ging andere Wege und ich traf sie nicht mehr Online. Nach einer langen Zeit Mahjongg und T-Onlinechat, machte ich mich auf die Suche was es denn noch mehr im Netz geben würde. Lycos hieß eine Suchmaschine, die mir empfohlen wurde. Google gab es ja damals noch gar nicht. Viel wurde auch nicht gefunden, schon gar nicht von Privatseiten. Ich landete auf einer Kontaktbörsenseite: Schwul sucht ihn, lesbisch sucht sie.
Da ich mich zu keiner Seite wirklich dazu gehörig fühlte, füllte ich da gleich mal eine Kontaktanzeige aus. 😉 Lektion Nummer zwei: Auf Kontaktanzeigen im Netz wird kaum oder nur komisch geantwortet.

Immer noch im World Wid Web, konnte man mittlerweile schon täglich 4 Stunden ins Netz gehen, ohne das man dabei arm wurde. Ständig popten Werbebanner mit Pornoseiten auf, die einen ewig aufhielten während man die Schließkreuze klickte. Angesagt war nun nicht mehr T-Onlinechat, nein, nun war es Chat-City. Blaue Aufmachung, die Seite brauchte ewig zum laden und man kam zuerst in eine Art dekorierten Schaufenster an. Chat-City war ganz ok. Man unterhielt sich gut. Nun konnte man auch langsam Bilder austauschen. Das dauerte alles im allem etwas lange. Die ersten Bildhoster kamen auf den Markt. Hochladezeit für ein kleines Bild auf dem man fast nichts erkennen konnte, ca. 10 Minuten. Lektion drei: Teile niemals irgendwelche Bilder, wenn du keine Ahnung hast das es Privatchats gibt, über die du gerade gemobbt wirst und es nicht merkst. 😉 Flapsy war erledigt und ich verabschiedete mich von ihr.

Igab kam ins Spiel, Chat-City hatte ausgedient, Knuddels kam auf. Dazwischen aber noch Lektion Nummer 4: die ersten Foren die ich besuchte waren irgendwie seltsame Foren. Das eine war ein Lesben-Forum. Das fand ich gut. Mußte dort aber die böse Erfahrung machen, dass wenn man postet, das man nur mit einer Dame einmal ins Bett möchte danach aber nichts weiter, das man dann garantiert einen Schittstorm der übelsten Art abbekommt. Auch als Frau………. Konnte ich so gar nicht verstehen 😉 Fazit: Ehrlichkeit war hier wohl nicht so angebracht *lach*

bei Knudels regte ich mich immer mächtig auf. Ständig wollten Leute mit mir privat Chatten. Ich dachte mir nichts dabei und fand es toll Leute kennen zu lernen, doch warum die dann immer anfingen von Sex zu reden, kam mir nicht in den Sinn. So schimpfte ich auf sie ein und Lektion 5 machte sich breit: zu 99%, wenn jemand mit dir in einen Prvatchat will, will er Chattersex mit dir. Was auch immer er davon hat, der Sinn dahinter erschließt sich mir bis heute nicht.

Igab verbrannt, mein nächster Nickname, mit neuem Freund der noch mehr vom Internet verstand und auch die Technik dahinter beherrschte. Zusammen fluteten wir also das Netz. Irgendwie immer im Doppelpack. Von da an gab es uns nur zu zweit im World Wide Web.

Tag ein, Tag aus. Kein Tag verging ohne Internet und das war gut so für uns. Google kam auf den Markt. Schnell hatten wir uns an Google gewöhnt und unsere alte Suchmaschine vergessen. Durch meine ewigen psychichen Probleme (damals wusste ich ja noch nichts von meinem Haustier, dem Autismus)  und auf der Suche nach Lösungen, fand ich auch immer irgendwie den Weg zu Selbsthilfeforen. In diesem Falle in ein Selbsthilfeforum für Missbrauchsopfer. Gerade richtig zur Vorratsdatenspeicherung. Der Ak-Vorrat und dieses Forum waren nun meine Lieblingsthemen. Politisch ging es darum, die Vorratsdatenspeicherung abzuwehren und im Netz ging der Aufruf rum, sich doch zu beteiligen und einen Text für eine Mitklägerschaft zu schreiben und dem Ak-Vorrat zukommen zu lassen. Gesagt, getan. Ich schrieb einen Text und schickte ihn mit meiner neuen Mailadresse weg. Dieser wurde tatsächlich veröffentlicht und an das Bundesverfassungsgericht geschickt. Ja, der Papier war zu dieser Zeit noch Präsident des Bundesverfassungsgerichtes. So wie ich im Nachhinein erfahren habe war mein Text über das mögliche Zwangsouting von Mißbrauchsopern tatsächlich einer der ausschlaggebenden Beiträge für das Urteil. Er wurde bei der Verhandlung sogar erwähnt. Die Vorratsdatenspeicherung wurde (vorerst) abgeschmettert.

Lektion 6: schreibt man eine E-Mail die hinterher veröffentlicht werden könnte und von sehr, sehr vielen Leuten gelesen wird, achte vorher darauf ob du auch alle 99 Fehler die enthalten sind gefunden hast und das dein Klarname am besten gar nicht in dieser Mail zu finden ist. Ich bekam den Text zum korrekturlesen. Die Jungs waren so nett, meinen Klarnamen zu ändern, aber die Rechtschreibfehler sind mir dann heute noch peinlich….

Dann folgte für mich die ultimativste Plattform. Das war das Tollste was ich je gesehen hatte. Das Beste was ich je an Internetseiten bedient habe. Das Höchste der Glücksgefühle, wenn ich sie bedient hatte. Yeah, das Teil war ja wohl nur für mich geschrieben. Den ganzen Tag hing ich davor, klatschte in die Hände, freute mich das es die Plattform gab. Wie eine Irre las ich und es wollten einfach nicht weniger Informationen werden. Die Plattform hieß ……… na wer kommt jetzt drauf ………  WIKIPEDIA! Sowas von geil das Teil. Lektion Nummer sieben: Behaubte niemals alle Artikel von Wikipedia von A-Z durchlesen zu können, und denke nie, dass Wikipedia so funktioniert wie ein Nachschlagewerk in der Offline Welt.

Doch irgendwann war das echt nicht mehr genug. Nein einfach nur Konsument des Internets wollte ich nicht mehr sein. Wie gut das ich meinen jetzigen Freund traf. Programieren ist super genial, wenn man es nicht selber tun muß :). So kam es dazu, dass wir vom Internetkonsumenten recht schnell zu Mitgestaltern des Internets wurden. So manch eine Internetseite  war wohl unser Verschulden, aber dazu später mehr.

Die letzten Jahre mag ich euch nicht vorenthalten aber die kommen im zweiten Teil…. sonst wird es zu lang.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Reise nach Hamburg Teil 2 – Doppelte Hotels und nächtlicher Hungermarsch….

Heute gibt es den versprochenen zweiten Teil unserer Odyssee nach Hamburg.

Das Treffen selbst behandeln wir noch in einem eigenen Artikel auf auticare.de. Hier geht es um die Zeit nach dem Treffen bis wir endlich im Reich der Träume versunken waren…. Und das abrupte Erwachen.

Das Treffen in Hamburg war sehr schön. Aber viel zu kurz. Daher hatten wir gemeinsam kurzerhand beschlossen, das Treffen in die Kneipe nebenan zu verlagern und allesamt dort noch etwas zu plaudern und ein paar Bier zu trinken.

Ganze 3 Stunden saßen wir noch in der Kneipe bis meiner Holden und mir siedend-heiß einfiel, dass wir ja noch im Hotel einchecken mussten. Unserer Erinnerung nach ging das nur bis 23 Uhr.

Ein schneller Blick auf die Uhr….. es ist 23 Uhr……. Panik!

Wir beendeten dir Runde, liefen zurück zum Bahnhof Altona und fuhren mit der nächsten S-Bahn in Richtung Berliner-Tor, wo unser Hotel lag.

Wir rannten aus dem Bahnhof, und suchten verzweifelt unser Hotel. Keiner von uns hatte Lust bei dem Wetter draußen zu übernachten 

Völlig abgehetzt fragt mich meine Frau: „Du Schatz, warum beeilen wir uns eigentlich so?“

Ich glotze sie total verdattert an und stammele was von: „Ja, äh, weil, du weißt schon…. Rezeptionsschluss und so. Die machen um 23 Uhr dicht.“

Jetzt glotzte meine Frau mich total entgeistert an.

„Wieso 23 Uhr Schluss? Das war das andere Hotel, das zu teuer war. Das hier hat rund um die Uhr offen.“

Kennt ihr das? Wenn der Frust über die eigene Dämlichkeit und die Erleichterung darüber, das eine Situation doch nicht so ausweglos ist wie gedacht, sich um die Hoheit im Gehirn streiten?

Dieses Gefühl zwischen Freude und kotzen? Ich nenn das Frotzen…..

Nachdem ich meine Gesichtszüge wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte, liefen wir deutlich entspannter in Richtung Hotel.

Dort angekommen, waren wir angenehm überrascht. Es war zwar der Bettenbunker, den man für 44 Euro pro Nacht erwarten konnte, aber es war sehr sauber und das Personal war freundlich.

Es gab sogar einen Flatscreen auf dem Zimmer, ein eigenes Bad und kostenloses Wlan.

Alles in allem ein fast schon spektakulärer Preis für Hamburg.

Wir stellten unsere Sachen ab, ich drehte die Heizung von 3 auf 4, da es etwas fröstelig im Zimmer war. Dann überlegten wir noch etwas Essen zu gehen. Wir hatten beide seit 8 Stunden nichts mehr gefuttert.

Also zogen wir die Jacken wieder an und verließen das Hotel.

Immernoch mittelgradig angeheitert von unserem Gaststättenbesuch machten wir uns im nächtlichen Hamburg auf die Suche nach einer urbanen Nahrungsquelle. Wir begaben uns sozusagen in rustikaler Großstädtermanier auf nächtliche Treibjagd. 

Aber wir wären ja nicht wir, wenn das glatt gegangen wäre……

Wir liefen einfach blindlinks in eine Richtung los. An der nächsten Kreuzung angekommen schauten wir uns um. Da drüben scheinen Lichter die Strasse entlang. Das scheint eine Hauptstrasse zu sein. Da gibt es Futter……

Wir liefen also die Strasse entlang.

Und wir liefen…….

und liefen……

und liefen……

Versicherungsunternehmen. IT-Unternehmen. Consulting-Unternehmen. Baustelle. Consulting-Unternehmen.

Verflucht nochmal. Wir waren scheinbar in dem einzigen Viertel von Hamburg gelandet, in dem es keine Fresstempel gab. Riesige Unternehmen. Die Mitarbeiter müssen doch irgendwo essen. Die haben doch nicht alle Kantinen.

Wir suchten weiter. Mittlerweile war schon 0.30 Uhr. Halb eins.

Dann sahen wir an einer Kreuzung, neben einer Tankstelle eine Mc-Donald’s Filiale.

Juchu. Besser als nichts. Nicht unbedingt, was wir uns jetzt gewünscht hätten, aber immerhin.

Wir liefen zu der Filiale. An der Tür standen die Öffnungszeiten. Bis 01.00 Uhr stand da.

Bitte was? Wir sind hier doch in Hamburg und nicht auf dem Dorf.

Selbst hier in unserem vergleichsweise winzigen Dinslaken hat der lokaler Burgerlieferant rund um die Uhr offen.

Aber egal. 20 Minuten blieben uns ja noch zur nächtlichen Energieversorgung.

Also schaufelten wir uns in Rekordtempo jeder 2 Burger und eine Portion Streifkartoffeln rein.

Danach machten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel.

…..Und verliefen uns…….

Wir hatten keine Ahnung in welche Richtung unser Hotel lag. Navi war nicht, da der Handy-Akku schon vor uns schlafen gegangen ist.

Also suchten wir in der Dunkelheit nach vertrauten Strukturen. Ich hatte so eine grobe Ahnung in welche Richtung wir gehen mussten. Nach fast einer dreiviertel Stunde sah ich auf einer Fassade groß die Reklame unseres Hotels.

Froh, satt und glücklich stapften wir in die Lounge des Hotels.

Aber irgendwas stimmte nicht. Irgendwie hatten wir die Lounge etwas größer in Erinnerung. Und ich hätte schwören können, direkt gegenüber von der Rezeption wäre der Durchgang zu dem Fahrstuhl gewesen.

Sonst was alles gleich. Die gleichen blasgelben Wände, die gleichen allerwelts-Fliesen auf dem Boden, der gleiche Billardtisch. Trotzdem passte hier was nicht.

Bevor wir jedoch den Weg zu unserem Zimmer gesucht und festgestellt hätten, dass der Schlüssel nicht passt und man uns womöglich noch wegen versuchten Einbruchs verhaftet hätte, kam uns die Erleuchtung…….

Das ist nicht unser Hotel!!

In der Tat gab es in dem Viertel, nur wenige hundert Meter voneinander entfernt, 2 Hotels der gleichen Kette.

Also suchten wir noch eine halbe Stunde, bis wir unser Hotel endlich fanden.

Als wir durch einen anderen Eingang als beim ersten Mal die Lounge betraten fiel uns beiden ein großes Neonschild über der Rezeption auf, das wir zuvor gar nicht bemerkt hatten.

Darauf stand: „Pizza, 24h an der Cocktailbar“.

Na toll……

Als ich inzwischen reichlich müde die Zimmertür öffnete, wurde ich fast von einer Schockwelle erschlagen. Entweder jemand machte in unserem Zimmer ein Barbeque, oder das Zimmer brennt. Gott war das heiß. Wie in der Sauna. Ich hatte die Heizung doch nur leicht von 3 auf 4 erhöht, aber in dem Zimmer waren es locker 35 Grad.

Also rissen wir erstmal die Fenster auf und ließen es etwas abkühlen. Nachdem wir die etwas widerborstige Heizung dan mit viel Fingerspitzengefühle minutiös einkalibiert hatten, schauten wir noch etwas fern und gingen kurz danach schlafen. Den Wecker hatten wir auf 8.30 Uhr gestellt. Bis 10 mussten wir das Zimmer verlassen.

Um Punkt 7.00 Uhr fielen wir vor Schreck fast aus dem Bett.

Von draußen hämmerte ein ohrenbetäubendes Hubkonzert durch die geschlossenen Fenster.

Ich sprang aus dem Bett und schaute nach draußen. Die in der Nacht so verlassene Strasse vor dem Hotel, die im Übrigen im Dunkeln gar nicht so groß aussah, entpuppte sich als 4-spurige Einbahnstrasse mit Ampeln am Anfang und am Ende. Rushhour in Hamburg. Juchu……

Also packten wir rasch unsere Sachen, gingen im Hotel noch schnell frühstücken und machten uns dann auf den Heimweg.

Der wiederum war nach all dem Vorangegangenen, erstaunlich ereignislos……

Die Reise nach Hamburg – von schrumpfenden Zügen und den tücken der Technik

Heute ausnahmsweise mal einen Blogpost von meinem Freund geschrieben.

Die Reise nach Hamburg – von schrumpfenden Zügen und den tücken der Technik

Am 18.2. sind wir zu unserem ersten Arbeitskreistreffen in Hamburg gereist. Das Treffen war toll und es wird noch einen separaten Bericht dazu geben.

Unsere Fahrt nach Hamburg allerdings ist einen Bericht für sich wert.

Als Autistin plant meine Frau jede unserer Touren minutiös. Von der Route selbst, über Pausenstops bis hin zu den Papiertaschentüchern in der Handtasche ist alles genau eingeplant.

Eine gewisse Felxibilität hat sie sich im Zusammenhang mit der Bahn ja schon antrainiert. Aber heute sollte alles drunter und drüber gehen.

Doch der Reihe nach…..

Wir fuhren um 9.13 Uhr mit der Buslinie, die fast vor unserer Tür hält, bis zum Bahnhof. Um 09.39 Uhr fährt unser Zug nach Duisburg.

Bisher klappt alles gut. Bus pünktlich, Bahn pünktlich.

Das hätte mich eigentlich schon stutzig machen müssen. Alles begann reibungslos. Das konnte nur schiefgehen.

So kam es auch…..

In Duisburg mussten wir etwa 15 Minuten auf unseren Anschlusszug warten. Der kam auch pünktlich, was uns sehr beruhigte, da genau diese Linie zu massiver Überfüllung und Verspätungen neigt.

Unsere Vorfreude währte aber nur kurz. Der Zug kam zwar pünktlich, fuhr aber nicht pünktlich ab, sondern bereits 15 Minuten verspätet, da ein Passagier medizinisch behandelt werden musste.

Noch in der naiven Hoffnung, dass der Zug seine Verspätung bis Minden würde aufholen können, fuhren wir endlich los.

Natürlich holte er die Verspätung nicht auf. In Minden angekommen, waren es bereits knapp 20 Minuten Verspätung.

Das Resultat: Anschlusszug verpasst.

So werden aus 20 Minuten Verspätung, 1 Stunde. So lange dauerte es, bis der Folgezug eintraf, mit dem wir weiterfahren konnten.

Nachdem wir uns bis Hannover durchgehangelt hatten, waren wir etwas beruhigter. Der Rest der Strecke ist seltener von Verspätungen betroffen. Die verlorene Stunde war noch nicht so katastrophal, da meine Frau so etwas in ihrer Planung berücksichtigt hatte. Wir würden immer noch pünktlich in Hamburg ankommen.

Denkste…….

Von Hannover aus, wo wir auf der Hinreise auch den längsten Aufenthalt hatten, ging es dann zunächst recht ereignislos weiter. Wir hatten noch kurz bei einem asiatischen Imbiss ein paar gebratene Nudeln gegessen, bevor wir dann weiterfuhren.

Wir kamen Hamburg immer näher. Es sollte die Etappe von Verden nach Rotenburg folgen.

In Verden angekommen spazierten wir gemütlich zu dem Bahnsteig, von dem aus wir weiterreisen wollten. Auf dem Bahnsteig angekommen, sackte uns die Kinnlade nach unten und wir prusteten gleichzeitig los vor lachen. Unser Zug stand bereits auf dem Gleis.

Naja….. Zug?

Unser „Zug“ war etwas kurz geraten. tatsächlich war es der kürzeste Zug den ich je gesehen hatte.
Er bestand nur aus der Lok und einem Triebwagen für die entgegengesetzte Fahrtrichtung, mit einigen wenigen Sitzplätzen für die Passagiere.

Mit diesem Zug bummelten wir nun nach Rotenburg.

In Rotenburg würden wir nur ganz kurz Aufenthalt haben. Das wussten wir schon.

Wir mussten uns also beeilen. Wir hatten nur ca. 5 Minuten um auf das Gleis für unseren Anschlusszug nach Hamburg zu gelangen.

Das war an sich auch kein Problem – war es doch der Nachbarbahnsteig.

Wir liefen nach der Ankunft schnell rüber zu Gleis 5.

Noch 3 Minuten bis der Zug eintrifft.

Gerade so geschafft. Noch schnell mittels der Bahn-App überzeugt.

Ja! Richtes Gleis, richtige Uhrzeit. Anzeige sagt, Zug hat sogar 5 Minuten Verspätung.

Alles gut……

Der Zug kommt und wir steigen ein. Der Zug fährt los und wir freuen uns gleich den hamburger Hafen, die Hallen und das Gebäude vom „Spiegel“ zu sehen.

Nach etwa einer halben Stunde rückt der Fernsehturm in mein Blickfeld.

Ich denke noch: „Hm. Jetzt schon? Ist doch erst eine halbe Stunde. Die Fahrt sollte doch 1 Stunde dauern.“

Dann denke ich: „Eigentlich siehst du den Turm doch gar nicht bei der Einfahrt nach Hamburg“

Dann: „Moment. Der sieht auch gar nicht aus wie der Turm in Hamburg!“

Panik macht sich breit………

Es war nicht der Fernsehturm von Hamburg, sondern der von Bremen.

Danke schön Bahn-App. Wie gesagt: richtiges Gleis, richtige Uhrzeit….. falscher Zug.

So saßen wir also in Bremen statt in Hamburg. Genau die entgegengesetzte Richtung.

Laut Durchsage sollte der Zug nach einem kurzen Aufenthalt in Bremen wieder nach Hamburg fahren. Es war also ein Pendelzug.

Wir blieben sitzen. Was sollten wir auch anderes tun?

Somit verloren wir wieder eine Stunde. Jetzt reichte unser Zeitfenster definitiv nicht mehr aus. Aber was sollten wir machen.

Also fuhren wir dann endlich von Bremen (wieder über Rotenburg) nach Hamburg.

Im Hauptbahnhof angekommen musste sich mein Schatzi erstmal orientieren. Der Bahnhof sah so anders aus, als wir ihn kannten. Sonst sind wir immer nach Weinachten in Hamburg und der Bahnhof ist dann noch festlich geschmückt. Da meine Frau ein Bildgedächtnis hat, war es das dann mit der Orientierung. Aber auch wenn der Bahnhof anders aussah wie sonst, eines blieb gleich: Es war laut und voll…..

Irgendwie habe ich uns dann aus dem Gebäude gelotzt und auch die richtige Richtung zu unserem Treffpunkt gefunden.

Wir waren schon total genervt und abgehetzt, ob der ganzen Verspätungen.
Aber auch die letzten Meter klappten natürlich nicht reibungslos. Das Fußgängernavi bekam keine zuverlässige Positionsangabe. So lag der Treffpunkt mal links von uns, dann mal rechts, und dann mal wieder direkt vor uns.

Nachdem wir 20 Minuten lang um den Treffpunkt „gekreist“ sind, hatte ich die Nase voll.

Wir wollten endlich zum „Landeanflug“ ansetzen.

Also nutzten wir das klassisch-analoge Lokalnavi……

wir fragten Passanten.

Die erklärten uns dann auch den Weg und wir waren in 5 Minuten am Ziel.

Endlich da. Endlich normale Leute in einer normalen Umgebung. Nach 9 Stunden Odyssee nach Hamburg.

Nach dem Treffen – das übrigens toll war (Bericht folgt) – mussten wir gegen Mitternacht noch ins Hotel einchecken.

Aber das ist wieder eine Geschichte für sich……

Von doppelten Hotels und nächtlichem Hunger berichtet mein nächster Blog.

 

 

Sportschau

In den letzten Jahren habe ich immer mal wieder mit meinem Freund darüber nachgedacht, welchen Sport ich als Autistin denn gut ausüben könnte. Angefangen haben wir mit Fussball.

Fussball:
Eigentlich ein Sport der nicht gut für Autisten geeignet ist, weil es meistens sehr laut wird und man in einer Mannschaft spielt. Dazu kommen die Regeln die nicht immer ganz klar definiert sind. Ich hätte mir für mich in so einer Mannschaft nur eine Position vorstellen können, nämlich den Torwart. Ständiger konzentrierter Blick auf ein Objekt. Ok, das sagt den meisten Autisten – so wie mir auch – wieder zu. Details erkennen und wiederkehrende Muster finden würden mir bestimmt dabei helfen, den Ball gut einschätzen zu können. Naja, vielleicht wäre so eine Position gut für mich. Versuchen wir es mal.  Schon beim ersten Spiel kristallisierte sich heraus das es definitiv keine Sportart für mich war. Denn kaum hatte ich mal einen Ball durchgelassen schimpften meine Teamkollegen mit mir, das fand ich nicht nur nicht schön, sondern auch viel zu laut für meine Ohren. So fanden sie ein ängstliches Auti unter dem Tor. Nichts ging mehr.

Das nächste was ich ausprobierte war

Tennis: 
Hierbei handelt es sich um ein Spiel das maximal mit 4 Personen aber meistens mit zwei Personen gespielt wird. Dabei hat man einen Schläger in der Hand und muss auf einen Kleinen gelben Ball achten. So weit so gut. Mit meinem Detailblick müsste das ja sehr gut funktionieren. Mal abgesehen davon, dass ich noch ziemliche Koordinationsschwierigkeiten habe und Entfernungen nicht richtig einschätzen kann, war das wohl bei genauer Betrachtungsweise eine sehr blöde Idee. Schon das erste Probetraining zeigte das ich nicht in der Lage war auch nur einen einzigen Ball richtig zu treffen und zurück zu schlagen. Dazu war ich ziemlich ungeschickt mit dem Tennisschläger der andauernd entweder auf meinem Gesicht oder sehr hart auf meinen Zähne landete. Fazit: Eine eingehauene Nase und zwei halbwegs Blaue Augen die von zwei Bällen getroffen wurden.

Kampfsport:
In einem Dojo sollte das stattfinden. Im Vorfeld hatte ich mich darüber informiert. Der Sport soll Selbstvertrauen stärken, einen generell vor Angreifern schützen. Dazu soll er die Motorik verbessern und die Beweglichkeit fördern. Super! Das brauche ich doch alles, dachte ich bei mir und absolvierte auch hier ein Probetraining. Natürlich ging das nicht ohne Gruppensport, aber hier standen zumindest die meisten Leute alleine in Reihen Hintereinander. Das war ok. Bis… ja bis auf einmal der Trainer zu mir kam und Einzeltraining machen wollte. Au… weia… Da war mein Anfassproblem.
Ne, bitte nicht berühren, dachte ich nur noch. Kurz darauf fand ich mich auf der Matte wieder. Selbst redend, dass ich ziemlich erschrocken aufstand und ziemlich schnell nach Hause ging. (meine Sporttasche, müsste immer noch dort stehen).

Dann nach langer Pause, denn vom Sport hatte ich erst einmal die Nase voll, eine weitere Idee. Dieses mal ging ich vorsichtiger und überlegter an die Sache heran. Informierte mich sehr lange und überlegte ob diese Sportart wirklich meine Defizite berücksichtigte und meine Stärken fördern bzw. mir dabei helfen würde meine ziemlich schlechte Motorik zu verbessern. Der Sport den ich mir dann aussuchte hieß

Kraftsport: 
Im Fitnessstudio – so meine Überlegung – kann man alleine an Geräten trainieren. Ist also relativ geschützt vor anderen Leuten. Man muss keinen Smalltalk halten, es sei denn man würde ein Studio erwischen wo man gesellschaftlich gezwungen wäre Drinks an Theken zu sich zu nehmen. Aber das war in meinem Wunschstudio nicht. Es könnte laut sein, da aus Lautsprechern Musik dröhnen könnte. Das empfand ich als hinnehmbares Übel, könnte ich das doch mit Ohrstöpsel wettmachen. Eine weitere Hürde würde das vereinbaren eines Probetraining bedeuten. Hier wurde ich allerdings positiv überrascht. Die Terminvereinbarung konnte ich komplett per e-mail handhaben. *Daumen hoch*. (Telefonieren fällt mir nämlich sehr schwer). Vorsorglich nahm ich dieses mal meinen Betreuungsdienst mit zum Probetraining, der sollte sofort eingreifen wenn dieser Trainer, den ich dann nach dem ersten Mal wieder los sein sollte, anfassen wollte. Schon das eintreten war einfacher wie bei den anderen Sportarten. Einfach Karte hinhalten, durch die Schranke und keiner der mich anquatschte. Das war angenehm. So hatte ich einiges an Zeit um mich an die neue Umgebung zu gewöhnen und mir schon mal an den Terminals die Geräte anzuschauen. Ich hatte mir extra einen sehr frühen Termin geben lassen. Mein Gedanke dabei war, dass es so früh wohl bestimmt nicht so voll wäre und tatsächlich war in diesem Studio so früh auch nichts los. Das brachte weitere Pluspunkte für das Fitnessstudio. Das Training überstand ich dieses mal ohne nennenswerte Schäden. Ich fand den Trainer sogar recht nett. Dieser zeigte mir gleich die ganzen Geräte und gab mir eine Einweisung darauf. Danach durfte ich ganz alleine an die Geräte heran, man hatte mir erklärt was ich alles durfte. Also auch das Einstellen der Geräte erlaubte man mir nochmals ausdrücklich. Für mich und meine Barrieren empfand ich diesen Sport als barrierefreieste Variante von allen und so entschloss ich mich heute dazu aus dem Probetraining ein Abo werden zu lassen.

Zum Leidwesen meines Betreuers der nun die gnädige Aufgabe hat mich jedesmal begleiten zu müssen und dass morgens um 6 Uhr, da ich befürchte das es sonst zu voll wird. 😉

Fazit:
Einen Sport für mich erfolgreich gefunden

 

Fußball oder was seht ihr?

Laut gröhlende und klatschende Menschen und ich mitten drin.

Oder besser gesagt: am Rand des Geschehens, ganz weit hinten in einer Ecke verkrümmelt. Mal wieder habe ich vergessen darüber nachzudenken, wie ich denn wieder aus dieser Ecke heraus kommen soll.

Ich war die erste die auf der Tribüne einen Sitzplatz fand. So setzten sich die Leute nach und nach immer dichter neben mich. Nun bin ich zugebaut und komme nicht mehr raus. Angestrengt überlege ich, wie ich denn durch diese Menge durch kommen könnte, um an die Treppe zu gelangen. Rechts neben mir fangen meine Überlegungen an: da sitzt ein Mann, und ich frage mich, ob diese Information wohl wichtig ist, um eine Frage formulieren zu können. Neben ihm sitzt eine Frau. Seine Frau. Ich sehe es an ihren Eheringen, denn diese sind beide gleich. Darf ich ihn denn nun überhaubt ansprechen, Könnte es dann nicht sein das seine Frau sauer auf mich wird?

Doch die Lautstärke um mich herum, macht es mir unmöglich solche Sätze wie:
„Entschuldigen sie, dürfte ich mal bitte durch?“, zu formulieren. Daher gebe ich den Wunsch hier heraus zu kommen am besten auf.

Mein Blick geht durch die Halle, runter an den Spielfeldrand. Am Fuße der Tribüne fällt mein Blick auf die Trikots der Spieler. Gesponsort bei Firma xy kann ich darauf lesen. Sofort geht mein Blick einmal von Links nach Rechts über die Köpfe der Leute hinweg. Ganz klar knapp 200 Leute sehen gerade diese Werbung. Sofort stellt sich mir die Frage, während ich diese Trikots wohl nie vergessen werde: „Wieviele Menschen in dieser Halle diese Werbung überhaupt wahrgenommen haben?“
Noch mehr aber frage ich mich, welche dieser Leute an die Mannschaft denken, wenn sie einmal in dieser Werbefirma stehen?“

Das wird wohl der allerkleinste Teil dieser Masse sein, für die es gerade nur wichtig zu sein scheint, ob und wer gerade gewonnen oder verloren hat.

Ich überlege weiter, ob das wohl an meiner Filterschwäche liegt, dass ich über all diese Sachen nachdenken muß ? Und das Ganze wahrnehme, wärend die anderen um mich herum nicht bemerken wie sehr ich hier raus will und nur an dem nächsten Tor Freude finden.

Ich bemerke schnell: ich gehöre hier nicht her!

 

(Dieser Text wurde tatsächlich, heute während einer solchen Veranstaltung geschrieben, darum wird er auch in der Gegenwartsform veröffentlicht.)

Ein Meilenstein für mich

Für viele neurotypische Menschen stellt das Verreisen eine sehr kleine Herausforderung da. Für mich hingegen ist es ein wahrer Kraftakt und ein ständiges überwinden der eigenen Kräfte.

Vor ein paar Tagen fuhr ich nach Berlin, dieses mal sogar ohne die mir bekannte Begleitung durch meinen Freund. Eine andere Autisten mit weniger Orientierungsschwierigkeiten, reiste mit mir mit. Das gab mir etwas Sicherheit. Wusste ich doch, dass sie alles genau planen würde und sich die strecke vorher anschaute bevor wir los fuhren. Dennoch blieb gerade am Anfang die Angst. An einem Bahnsteig wollte ich sie treffen und bis dahin hatte ich furchtbare Magenschmerzen und die Gedanken: hoffentlich geht alles gut und ich bekomme sie auch eingesammelt. Hoffentlich verpasse ich sie nicht.

Trotz dem alles genau geplant war und ich auch für den Fall, dass ich sie auf dem Bahnsteig nicht finden würde, Ausweichstreffpunkte vereinbart waren, viel es mir sehr schwer ruhig zu bleiben.

In solchen Situationen sind meine Kontrollzwänge immer sehr ausgeprägt. So holte ich jede Minute meinen Zettel raus auf dem ich alles akribisch notiert hatte. Jeder Schritt stand darauf. Und nun war ich gerade bei dem Schritt zum Bahnsteig zu laufen, wo meine Mitreisende ankam und diese einzusammeln. Wie immer lief ich dort meine Kreise auf dem Bahnsteig, bis der Zug einfuhr. Dann wurde es hektisch.
Wo um Himmels willen war sie nur?
Die ganzen Leute die ausstiegen, sahen alle nicht so aus wie sie.
Habe ich sie vielleicht schon verpasst? Ist sie schon an mir vorbei gelaufen? Hat sie die Haltestelle vielleicht sogar verpasst? Oh nein, das dürfte auf gar keinen Fall passieren, denn dann wäre der Zeitplan total im Eimer.

Der Zug war schon wieder raus und ich scannte schon mit weit aufgerissenen panischen Augen die Gegend ab. Dann endlich endlich kam sie mir entgegen. Alle Anspannung fiel in diesem Moment von mir ab.

Ok. Punkt eins erledigt, abgehakt. Ich habe sie. Dachte ich bei mir während ich diesen Punkt auf meinem Zettel durchstrich. Autistin einsammeln erfolgreich überwunden ;-).

Zu zweit ging es nun deutlich besser, ich war nicht mehr ganz so nervös und wusste, nun passen zwei Leute darauf auf, dass wir die Zeitpläne einhalten. 10 Minuten später saßen wir auch schon im ICE nach Berlin. Ich konnte ruhiger werden, fast schon entspannt könnte man das nennen 😉 Zumindest was entspannt bei mir heißen könnte.

Die nächste große Anspannung wartete beim einchecken in das Hotel auf mich, ich hatte noch nie irgendwo in ein Hotel eingescheckt, auch wenn mein Freund vorher die Sätze mit mir trainiert hatte, war ich mir sehr unsicher. Mein Freund gab mir ein paar Sätze vor, die man sagen könnte. Z.B: „Entschuldigen sie, ich hatte gebucht und wollte einchecken.“ – oder aber: „Guten Tag. Ich hatte ein Zimmer für heute reserviert“. Nun stand ich kurz vor dem Hotel und fragte mich, welchen Satz ich denn nun nehmen sollte. Gesagt habe ich dann folgendes : „Entschuldigen sie für den guten Tag. Da ich heute ein Zimmer eingecheckt habe, möchte ich eins reservieren .“ 😉

Irgendwie wurde ich trotzdem verstanden und man gab mir zwei zimmerschlüssel ;-). zwischendurch brauchte ich immer mal wieder die Rückfrage per Telefon bei meinem Lebensgefährten ob alles in Ordnung wäre. Das gab mir die nötige Sicherheit. Auch mit meiner Begleitung fühlte ich mich wohl und so sicher das ich wohl das erste mal seit langer langer Zeit, ohne meinen Freund in einer Kneipe gewesen bin und ein Bier getrunken habe ….. ähhmmm.. wohl doch dann eher zwei ….

Die Reise war etwas neues für mich. Noch nie war ich so lange alleine unterwegs.

Für einen Neurotypischen Menschen wäre das eine der leichtesten Übungen,
doch ein riesiger Meilenstein für mich.

Ich habe es geschafft und bin ein wenig stolz auf mich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Kongress Auteritis Stress

Während die einen mit Hackerseuche rumrennen und die anderen sich mit einer Schlafkrankheit rumschlagen, habe ich Auteritis…

So manch einer von euch wird sich jetzt fragen, bitte was ist denn das für eine  Krankheit? Wenn ihr danach googelt spuckt Wikipedia genau null, nichts dazu aus. Auteritis nenne ich immer mein Empfinden, wenn ich nach einem freudigen Ereignis – wie dem Kongress – dieses bitter mit meinen Begleiterscheinungen bezahlen muß.

Seit heute gehts mir wieder ein wenig besser, aber die Veranstaltung hat viel von mir abverlangt. Auf der Fahrt nach Hause ging es noch einigermaßen, durchhalten hieß es da noch für mich. So fieberte ich meinem Zuhause entgegen. Mein Zimmer würde mit Sicherheit schon auf mich warten und an die Schmerzen die ich wohl haben würde, wollte ich in diesem Moment wirklich noch nicht denken. Hallten die ganzen Emotionen und die ganzen Bilder die ich aufgenommen hatte doch noch reichlich in mir nach. Ich saß im Zug und nahm wahr, wie sich die Bilder in meinen Erinnerungen einreihten. Irgendwie so voll, aber auch so sehr leer. Alles war leiser geworden und leiser war gut. So ließ ich einfach den Erinnerungen freie Bahn und mir gingen nochmal alle Situationen die ich erleben durfte durch den Kopf. OHJA was hatte ich für einen Spass und wie schade, dass es nun vorbei ist. Aber die vier Tage reichten für mich ja auch vollkommen aus.

Nach den Tagen voller toller Eindrücke und genialer Ideen war mir klar, das es wohl lange dauern wird, bis ich wieder einigermaßen  hergestellt sein würde.

Warum ich für so schöne Tage immer so bitter bestraft werde, weiß ich nicht. Ich habe schon lange aufgehört darüber nachzudenken. Stattdessen schließe ich meine Augen, presse die Zähne aufeinander und denke bei mir, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat, dafür im Nachgang solche Schmerzen zu empfinden.

Auteritis legt mich für mindestens 5 Tage flach. Ich kann mich kaum aufraffen, kann schlecht laufen und meine Hände tun mir bis zum geht-nicht-mehr weh. Aber egal. Um nichts auf der Welt würde ich diesen Kongressbesuch missen wollen. Ich weiß es geht vorbei und ich weiß auch, dass ich diese Ruhe einfach auch mal brauche.

Trotz alledem bin ich gut drauf, lache, bin glücklich, liebe die neuen Eindrücke, mag es in den neuen Erinnerungsbildern herum zu wühlen. Und ich kann es kaum erwarten, bis das es endlich wieder heißt:  CCC-Kongress 31c3 ich komme .