Sam zwischen zwei Welten

Heute möchte ich mal zu Feminismus und den klassichen Rollenverteilungen bloggen und wie ich mich selber sehe.

Bin ich von jeher eigentlich durch meine angeborenen Merkmale als Frau gekennzeichnet, so empfinde ich mich gar nicht als Solche. Wenn man mich fragt welchem Geschlecht gehörst du an, würde ich antworten, dass es nicht so einfach ist mich in dieser Hinsicht in eine Schublade hinein zu sortieren. Irgendwie kann ich mich da keiner Seite so richtig dazu gehörig fühlen. Irgendwie bin ich so ein Mittelding zwischen Mann und Frau. Im Laufe meines Erwachsenwerdens, habe ich darum auch nie diese Rollenverteilung verstanden. Ich konnte zwar mit den Weibchen ganz gut mithalten, was Kleidung, Schminken oder auch mal hochackigen Schuhen zu tun hatte, doch meistens fühlte ich mich so nur sehr unwohl. Also ging mein Look dann wieder auf Jeanshose Herrenhemd und Turnschuhe zurück. Ja so fühlte ich mich am wohlsten. Vielen Frauen bin ich begegnet, die mich in dieser Beziehung umlenken wollten, mich moderner, schicker anziehen wollten, oder einfach der Meinung waren ich müsste doch mehr aus mir machen. Schicker sein. Aber wofür? Die Schminke in meinem Gesicht, die eine Fettschicht zaubert und den Lippenstift, der eh nur am Trinkglas kleben bleibt, konnte ich einfach nichts Gutes abgewinnen. Auch im Shopping, dass viele Frauen für sich als Vergnügen empfinden, konnte ich nichts als Anstrengung und Langeweile erkennen.

Rein in den Laden, Klamotten sehen, anhalten, passt, mitnehmen, raus aus dem Gedränge, der Lautstärke den klackernden Schuhen. Mal wieder passte mir kein BH und kein Oberteil der Frauen richtig. Den Vorbau besaß ich nicht, war bei der Verteilung nicht anwesend aber ich habe einen sehr breiten Rücken, der mir echt mal eine Größe von 90-95a verpasste. Eine solche Größe führt leider kein Geschäft ;-). Keine Frauenschuhe die mir auch nur annähernd passten oder bequem genug waren. Also bevorzugte ich beim Einkaufen die Männerabteilung, die in meinen Augen eh viel coolere Klamotten hatte. In meinen Hosen bin ich einfach total gefestig, da hat sich seit dem ich klein bin nichts geändert, Schlaghosen müssen es sein. Ob die nun modern sind oder nicht, ist mir relativ egal. Auch Handtaschen ließen mich lange Zeit einfach kalt, denn wer braucht schon einen Beutel der an einem runterhängt, wenn doch die Hosentaschen dafür total ausreichend ist. Ständig darauf aufzupassen war mir definitiv zu anstrengend.

Ich hatte seit je her auch schon eher Männerberufe ausgesucht. Maler und Lackierer z.b. wäre ich gerne geworden, oder Maurerin. Leider war es damals sehr unüblich Frauen in die Lehre zu nehmen, so dass ich dahingehend ohne Ausbildung blieb. Aber als Helferin war ich oft auf dem Bau mit dabei. Mauerte, verputzte, tapezierte, strich die Wände an. In der Welt der Jungs fand ich mich oftmals viel respektierter als in der Frauenwelt. Sie wollten meist nichts aus mir machen, mich nicht in Klamotten stecken die mir nicht gefielen, mich nicht schminken und auch nicht, dass ich mich mit Nagellack auskannte. Es reichte aus, wenn ich von mauern und tapezieren Ahnung hatte, auch wenn ich die ersten paar Tage immer auch einen kleinen Kampf auszufechten hatte, denn so manch ein Mann schaute nicht nur skeptisch sondern verwechselte mich mit einer Kaffeekocherin. Meist dauerte es aber nicht lange, bevor diese Männer sich ihren eigenen Kaffee kochten und mich als vollwertiges, wie sie immer sagten, Mannsweib annahmen und mitbekamen, dass ich in Sachen Arbeit ihnen in nichts nach stand. Klar, als Frau hat man es da etwas schwerer und muss sich ein wenig beweisen, wenn man es dann aber geschafft hat, ist von einer Geschlechterrollenverteilung nichts mehr zu spüren. was mir oft einfach entgegen kam.

Dazu kam natürlich, dass viele Männer (nicht alle) eine direktere Kommunikation besitzen, als es bei vielen Frauen (nicht allen) der fall ist. So fühlte ich mich auch in der Männerwelt kommunikativ besser aufgehoben. Das führte leider dazu, dass ich mich meist mit den Männern besser verstand als mit deren Partnerinnen, was diese fälschlicherweise als anbaggern oder Konkurrenz empfanden. Das war jedoch überhaupt nicht meine Absicht. Und so lernte ich mit Männern die Partnerinnen hatten, nicht mehr zu reden ;-). Einfach um diesen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen. Ich hatte Spass am Internet, an Computern und daran wie es funktioniert. Immer und überall wollte ich wissen wie etwas funktioniert, oder wie man sich etwas selber bauen kann. Die meisten Frauen hingegen nervten diese Themen ungemein. So wurden mir von ihnen oft zu verstehen gegeben, dass es ihnen egal sei wie ein Computer nun wirklich funktioniert, Hauptsache sie würden den Anknopf finden. Das führte dann natürlich dazu, dass ich mir auch in diesem Bereich eher Männer als Gesprächspartner suchte. Nur wenige Frauen die ich traf, waren da genau so wie ich und mit ihnen konnte ich stundenlang Gespräche führen, mich verständigen und auch Freundschaften pflegen.

Meinen persönlichen Höhepunkt erreichte ich, als ich als Helferin in einer großen Firma anfing und dort in der Produktion fast nur Frauen arbeiteten. Interressanterweise waren die Abteilungsleiter fast alle männlicher Natur. Eventuell lag es einfach daran, das die meisten Frauen zwar ihre Arbeit erledigten, aber nicht wissen wollten wie zb. eine Schweißmaschiene (für Verpackungen) funktionierte, oder wie man sie einstellen konnte. Am Pc waren diese Frauen eher mittelmässig, so wurde ich recht schnell für die Maschinen und die PCs eingesetzt und es kam wie es kommen musste: da ich mich besser mit den männlichen Kollegen unterhalten konnte, da mir die Technik einfach mehr lag, statt stundenlang Nagellackfarben durchzukauen, war ich schnell in der Chefabteilung mit eingebunden und man arbeitete gerne mit mir. Nur die Frauen verstanden das wieder falsch und so liefen Gerüchte umher, ich würde mich doch nach oben flirten. um es mal harmlos auszudrücken. Von all der Rollenverteilung hatte ich nur keinen Plan. Ich spielte dabei keine Rolle, denn mich als Frau oder Mann wahrnehmen, das tat ich eben nicht. Ich sprach einfach mit dem, der mir vom Thema her mehr gefiel und bei dem ich gefordert wurde über Sachen nachzudenken, anstatt sie einfach so hinzunehmen. Problemlösungen zu finden, ne Schraube festzuziehen oder auch mal das Auto auf dem Parkplatz alleine reparieren zu können.

Da war ich also in keinster weise abhängig von der Männerdomäne. Diese Selbständigkeit hatte ich durch meine Neugierde wie alles funktioniert erworben und es war ganz klar das ich auch in Werkstätten dabei war, wenn es hieß mein Auto braucht einen neuen Zylinderkopf. Wie rettet man sich aus Situationen heraus mit nur einem langen Gürtel und wofür taugt der alles? Zum hochbinden des Auspuffs war der fantastisch geeignet. Viele Frauen behandelten mich aufgrund dessen immer etwas wie eine Aussenseiterin manchmal denunzierten sie mich auch, schoben mir sachen unter die ich angeblich gemacht hatte oder waren einfach so gemein zu mir. Ich dachte dann jedesmal dass ich doch nichts dafür kann, dass sie einfach kein Interresse an diesen technischen Dingen zeigten. Würden sie das tun, hätten sie sich mit Sicherheit schnell die Position erarbeiten können wie ich sie inne hatte.

Manchmal kommt es aber auch bei mir vor, das ich schaue ob ich genau das typische Frauenbild auch verkörpern könnte. Dann gehe ich los, hole mir feminine Sachen, ziehe sie an, schminke mich und schau an mir runter. Gar nicht so schlecht, aber es ist auch immer irgendwie eine Maskerade, die ich dann da aufsetze. Denn wohl fühle ich mich so einfach nicht und so werden diese Teile dann eher wieder zu einem Staubfänger in meinem Kleiderschrank.

Also bin ich nach wie vor in zwei Welten gefangen, im Körper einer Frau, deren Sachen mir trotzdem nicht passen, mit Themen die nicht feminin genug sind, die sich nicht in Klamotten hineinstecken lässt die zwar toll aussehen, aber unmöglich tragbar sind.

Ich bin SAM, und ich bin ein NEUTRUM:  Weder positiv noch negativ geladenes Teilchen 😉

 

3 Gedanken zu “Sam zwischen zwei Welten

  1. Ich erkenne vieles davon wieder, ja. Endlose Gespräche über Mode, Nagellack, Schminke, einkaufen. Brrrr, schrecklich 😉 Und umgekehrt viele Frauen und Mädchen, die meinten, das mit der Technik müßten sie alles nicht wissen. Da vermute ich allerdings auch von klein auf eine Erziehung, die ihnen genau das eingehämmert hat.

    Allerdings würde ich nicht sagen, daß ich ein Neutrum sei. Es gibt nämlich da noch einen Begriff: bi-gender. Und da ordne ich mich ein.

  2. „Irgendwie bin ich so ein Mittelding zwischen Mann und Frau“

    Irgendwie scheine ich weder Mittelding, noch das ein oder andere zu sein…soll heißen was jetzt z.B. Kleidung und Interessen angeht: Weder Beinbekleidung in Form von Hosen so wie irgendwelche Hemden wie sie Männer meistens tragen, noch irgendwelche Röcke/Kleider oder Blusen wie man es ja oft bei Frauen antrifft, sagen mir so wirklich zu…ein einfacher Kartoffelsack (als Bekleidung) würde mir persönlich völlig ausreichen. 😉

    Hochhackige Schuhe habe ich in meinem ganzen Leben noch nie getragen…bin früher die meiste Zeit barfuß gelaufen. Im Winter habe ich jedoch Fußbekleidung getragen, aber grundsätzlich Schuhe deren Sohle völlig flach waren. Ich mag keine Absätze unter meinen Schuhen…ich brauche ganzen Bodenkontakt mit meinen Füßen.

    Es gibt eigentlich nur sehr wenige Männer (und auch nur sehr wenige Frauen) mit denen ich mich so hin und wieder mal austauschen kann…die meisten Männer und Frauen unterscheiden sich (jetzt meinem persönlichen Gefühlsempfinden nach) nicht wirklich großartig voneinander…was jetzt so deren Interesse oder auch (ich finde gerade kein anderes Wort dafür) „Gehabe“ angeht.

    Beruflich habe ich es daher oft vorgezogen (so es denn machbar war) für mich alleine irgendwie tätig sein zu können…dennoch hatte natürlich auch ich (in irgendeiner Weise) stets mit anderen Arbeitskollegen zu tun, mit denen ich jedoch nur rein beruflicher Natur einen Umgang pflegte.

    Ich persönlich sehe in Männern und in Frauen in erster Linie eigentlich nur den Menschen…was ihre Interessen und Vorlieben, ihre Stärken und ihre Schwächen jetzt so angehen, da denke ich haben sie wahrscheinlich alle so ihre bestimmten Freuden oder Nöte mit…nur, was so die Akzeptanz und das Verständnis anderen gegenüber angeht, da unterscheiden sie sich (anscheinend) manchmal doch gewaltig…da habe ich persönlich mit Männern manchmal eher bessere Erfahrungen gemacht als jetzt mit Frauen.

    Aber letztendlich sagt das ja dennoch nicht viel aus…andere haben mit Sicherheit auch ihre Erfahrungen gemacht…und die sehen wahrscheinlich wieder völlig anders aus.

    Ich bin zwar ein Mensch mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen (weiß es jetzt nicht anders zu benennen)…unterscheide mich im Denken und Fühlen, oder was auch meine Interessen jetzt angeht vielleicht nicht nur von anderen Frauen sondern grundsätzlich von anderen Menschen…aber letztendlich bin ich ein Mensch…ein Mensch der im Grunde genommen weitgehend zufrieden ist mit dem wie es ist…und allein nur das zählt jetzt für mich.

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