WOW Das war mein erstes CCC-Camp

Nun sitze ich hier an meinem Rechner und starre Löcher in die Luft. oder besser gesagt, es sieht so aus als würde ich Löcher in die Luft starren, doch in Wirklichkeit sehe ich mir einfach die letzten Tage in einer dauer Diashow an.

Die Tasche die ich mit hatte, liegt nun sehr zerpflückt und auch nicht mehr ganz so heile in meinem Wohnzimmer. Die Kraft dazu, sie auszupacken fehlt im Moment noch sehr.
Wohl auch das erste mal, dass ich mit einer Vorfreude auf ein Camp gefahren bin. Ich freute mich ein paar Gesichter endlich wieder zu sehen. Dieses mal allerdings nicht wie gewohnt im Winter, sondern mitten im Sommer auf dem Chaos Communication Camp.
Die Anreise war ein wenig beschwerlich, da ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln 13 Stunden unterwegs war, weil die Bahn es nicht schaffte auch nur einen Zug in den ich einsteigen wollte, pünktlich fahren zu lassen.

Danach fand ich mich in einem Dorf wieder, dass kein Taxi hatte. So ging es mit mir und meinem Freund 7 km zu Fuß zum Camp. Mitten in der Nacht bei herrlich klaren Sternenhimmel, und einem Lichtpilz der noch weit weg vom Camp zu sehen war. Eine Art Zeichen – hey hier müsst ihr lang, immer dem Licht nach. Und wenn man von meiner Position aus genau hin hörte, dann konnte man leise Musik vernehmen.
Trotz des ganzen schweren Gepäcks zog es uns immer weiter in Richtung dieser leisen Musik, die langsam immer lauter wurde.
Hatte ich in meiner Anfangszeit mir noch Sorgen gemacht nicht akzeptiert zu werden, war diese Sorge nun fast gegen Null gesunken. Im Vorfeld bekam ich schon ein paar PNs, die mir eindeutig sagten: hey, wir freuen uns auf dich.
Das fühlte sich etwas merkwürdig, aber auch total toll an. Ja ich freute mich auch auf sie.

Da wir Nachts ankamen, war erst einmal Zelt aufbauen und einrichten im Vordergrund. Einrichten bedeutet für mich:
Meine Runden drehen, mir alles versuchen anzuschauen und meine Bedürfnisse dahin gehend anzupassen, das ich eine gute Zeit erleben könnte.
Zu schauen, wann kann man duschen gehen, ohne ins Gedränge zu kommen, wie kann ich auf diesem riesen großen Areal die Orientierung behalten, wo kann ich einen Platz zum ausruhen finden, der leise ist.

Mein Gedanke vor dem Camp war, dass ich mich gerne einbringen würde und helfen möchte. Ein Engel zu sein, das wäre total toll. Engel sind die vielen freiwilligen Helfer, die das Camp erst möglich machen. Mal etwas zurück geben von dem guten Gefühl, das ich auf dem Camp tanken konnte. Hier hieß es aber auch erst einmal für mich abzuklären, wo ich mich überhaupt einbringen kann und ob es etwas zu tun gibt, das zu mir passt. Das Engel System zeigte mir sehr schnell das es Positionen gab, die wie geschaffen für mich waren. Ruhig, wenig Trubel, kein Gedränge und trotzdem musste dort jemand stehen. Mit Vorliebe übernahm ich deswegen den Parkplatzdienst. 😉

Selbstredend machte mich das farblich wild durcheinander geparkte System ein wenig konfus. Da musste Abhilfe her und so versuchte ich an einem Abend die Autos der Farbe nach zu sortieren. Da ich leider dort nicht so lange schicht hatte, schafte ich nur eine schwarze Autoreihe und einen kleinen weißen Bereich. 😉
Aber Spaß hatte ich dabei. Ich würde sagen, das ist ausbaufähig.

Für mich stand fest: ich und Tanzfläche, das ist etwas das nicht überein geht. Das werde ich wohl auslassen. Zum Einen bin ich durch meine Motorik eher steif wie ein Brett und zum Zweiten ist es mir oft viel zu eng und man kann es in der Regel auch nicht vermeiden dauernd angerempelt zu werden.
Oh… da sollte ich mich aber mehr wie täuschen, denn schon am zweiten Abend drückte mir jemand einen Tschunk in die Hand, und ich fand mich plötzlich auf dem „Marktplatz“ mit jeder menge Musik, in der Nähe der Boxen wieder. Ich feierte das erste mal überhaupt. Es war genügend Platz vorhanden. Nichts im Vergleich zu den engen Diskos in denen ich in meinem Leben 5 mal war und sie jedesmal nach bereits 10 Minuten verlassen musste. Unvergesslich für mich und ein großer Moment.

Wer mich kennt der weiß, dass es bei mir nie ohne großes Chaos abläuft und so kam es wie es kommen musste. Ich verlief mich auf diesem großen Areal. Mein Fehler:  ich hatte mir Fixpunkte zum Wege merken nur bei Tage angesehen und gemerkt. Nachts hingegen, mit all den Lichtern, sah das Camp ganz anders aus. Orientierung weg. Wo war nochmal der Weg zu meinem Zelt ? Oder lag es einfach nur an zu vielen Tschunks im Blut?
Da ich diese Situationen kenne, nehme ich sie mittlerweile mit einer großen Gelassenheit hin. Ich laufe einfach weiter. Irgendwann werde ich wohl irgend etwas wieder erkennen oder die Leute die ich eben noch bei mir hatte wieder finden. Ganz sicher sogar. Ich fand sie auch. Irgendwie. Zwei Stunden später.

Bettzeit war erst, als es wieder hell wurde, um dann im Zelt festzustellen, dass es viel zu warm zum schlafen war. Von sieben Nächten kann ich mich nur noch an drei erinnern, in denen ich die Nacht im Zelt verbrachte.
Danke dafür.

Es sieht wohl so aus als hätte ich das erste mal in meinem Leben so richtig fett Party gemacht. ;-).

Danke an Alle, die das möglich gemacht haben. Danke an Alle, die mir so aufgeschlossen entgegen kamen. Danke an den Bot, den ich diesesmal endlich kennen lernen durfte 😉 und an alle anderen Menschen die mich einfach so nahmen wie ich war. Und danke an @Honkhase, dass du in der Nacht, in der ich mich verlaufen hatte und du mich gesehen hast, nachgefragt hast ob alles ok sei. Auch wenn ich dir nicht gut Anworten konnte, fand ich das total klasse.
Am letzten Abend, ging ich noch einmal auf den Marktplatz und beobachtete die Leute die dort vorbei liefen. Vor ein paar Jahren noch war für mich klar, dass ich den Menschen keine Chance mehr in meinem Leben geben und mich nie wieder auf sie einlassen wollte. Zu groß waren die Enttäuschungen und zu heftig der Absturz. In diesem Moment, als ich diese Menschen ansah dachte ich: hey, es gibt sie doch noch. Menschen, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben und für die es sich lohnt all die Ignoranten, die Agressiven, die Selbstherrlichen und die Intriganten auszusortieren, um diese Menschen zu treffen. Menschen die ehrlich sind, offen, tolerant und freundlich. Menschen, die zusammen etwas bewegen wollen und dies auch tun. Menschen die der Lethargie des Status Quo nicht verfallen sind, sondern aktiv etwas dafür tun, damit es allen besser geht. Und sie haben einen unglaublichen Spass an dem was sie tun.

PS: Nun heißt es für mich erst einmal ausruhen, ausruhen, ausruhen und Sinneseindrücke verarbeiten. Bis bald und ich freue mich auf den 32c3.
Da ich mich immer auf mein fotografisches Gedächtniss verlassen kann, habe ich leider vergessen, mich auf dem Camp zu fotografieren. Wem also ein Foto über den Weg läuft, wo ich mit drauf bin, wäre es nett, wenn einer mir das zuschicken würde. *schnief* brauche ein Foto für meinen Blog, oder hat jemand ein Wireless-kabel mit Kopfanschluss ?

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