mal wieder ABA

Nachdem Autismus Mittelfranken eine Stellungnahme zu ABA auf ihrer Homepage veröffentlicht hat, kam nicht lange danach die Antwort von einer Organisation und eines Menschen, der ABA anbietet (hier zu lesen).

Da er die Stellungname von Mittelfranken jetzt nicht auseinanderpflücken wollte, werde ich das mit seiner Stellungnahme auch nicht tun. Aber ich spreche mich ganz deutlich gegen ABA aus und das aus guten Grunde, wie ich in nachführenden absätzen erläutern werde.

ABA-Therapie und ihre Auswirkungen: diese bekommen ABA-Therapeuten meist gar nicht mit, weil sie sich unsere Denkstruktur nicht einmal im Ansatz vorstellen oder verstehen können. Sie bekommen nicht mit, wie sehr wir darunter leiden, dass man uns immer zu „normalen“ Menschen erziehen will. Obwohl jeder weiß, dass das nur ein Trugschein ist und der Autist nur vorgibt „normal“ zu sein, aber es nicht ist. Zu was für einen Preis diese Therapie auf den Rücken der Autisten ausgetragen wird, ist vielen ABA-Menschen schlicht egal, für sie zählt nur, dass der autistische Mensch sich endlich „normal“ benimmt. Die Auswirkungen dieser Therapie, die bekommen wir zu spüren. Nämlich immer dann, wenn wir mit Autisten reden, die diese Therapie durchgemacht haben, immer dann wenn einer dieser kinder mit 25 Jahren zusammen klappt, weil sie die täglichen Anforderungen so nicht mehr bewältigen können, weil ihr erlerntes normal sein so viel Energie auffrisst, dass sie kaum in der Lage sind das zu kompensieren.

Da gibt es Autisten, die mit 25 jahren nach solchen Theras in tiefe Depressionen fallen, einfach aus dem Grunde, weil sie merken wie aussichtslos ihr Wunsch ist, als das wahrgenommen zu werden was sie sind. Das sein zu dürfen, was jeder Mensch sich heraus nimmt, nämlich ein „ich“ zu sein. Aber das „ich“ sein wurde ihnen so sehr abtrainiert, dass sie sich schon gar nicht mehr trauen irgendwo so zu sein. Das ist perfide, denn jeder Mensch hat ein Recht darauf, so zu sein wie er ist.

Ich kann jetzt schon nicht mehr zählen, wieviele ABA-Trainierten Autisten ich auffangen musste. Denn es raubt einem einfach die Kraft, man fühlt sich mit 25, als wären man 99 Jahre alt und das kann doch nicht Sinn und Zweck einer Therapie darstellen. ABA-;enschen, wenn wir mit ihnen reden und versuchen ihnen zu sagen, das ihre Therapie so wie sie sie anwenden nur Schwierigkeiten bereiten, hören uns nicht zu.

Dabei sind die Leidtragenden wir, dabei sind wir diejenigen, die es am besten wissen müssten, denn schließlich leben wir ein Leben lang mit unserem Autismus. Niemand dieser Therapeuten kann sich auch nur annähernd vorstellen, wie unsere Gehirne ticken oder zu welche einschneidenden Probleme diese Therapie führt. Wie denn auch, denn um das zu erkennen müssten sie erst einmal mit uns reden. Auch können die meisten ABA-Therapeuten sich nicht vorstellen, dass wir uns mit dem Autismus wohl fühlen. (ich tue das auf jeden Fall). Er gehört zu mir dazu, er macht meine Persönlichkeit aus. Ich bin das, mit dem Autismus, ohne ihn wäre ich nicht mehr ich.

Ausserdem wird immer eine Gefahr unterschätzt: nämlich einem Kind beizubringen, alle anforderungen, die an einen gestellt werden auch zu erfüllen, bedeuten nichts anderes als dass dieser Autist auch Anforderungen erfüllt, die nicht gut für ihn sind. So dass diese Kinder sehr gefährdet für Missbrauch und Misshandlungen sind. Wieviele von ihnen nach derartigen Therapien von solchen Vorkommnissen erzählen, bekommen die ABA-Menschen ebenfalls nicht mit. Denn sie reden ja nicht mit uns. Jeder Versuch, daran etwas zu ändern scheitert immer wieder an deren Philosophie, keinen Widerspruch zu ihrer Therapie zu dulden. Und man bekommt nur Texte an den Kopf geworfen, in denen gebetsmühlenartig herunter gebeten wird: ABA ist gut, ABA ist toll, ABA heilt, ABA macht die Kinder normal.

Was wir dazu sagen, das interessiert diese Menschen nicht und obwohl wir da eine andere Sichtweise auf den Autismus haben und ihnen immer wieder versuchen zu erklären warum diese Methode eine denkbar schlechte ist um die Autistenkinder zu therapieren. Ja dann, dann wird uns gesagt wir hätten keine ahnung vom Autismus und wir sollten ruhig sein. Keine Ahnung vom Autismus obwohl wir Autisten sind ? Geht das überhaupt? Da muss man sich eher fragen, warum ihr uns da nicht zuhört, warum ihr nicht einfach verstehen wollt, dass wir versuchen zu vermitteln, wie es uns damit geht. Denn was man von aussen sieht, ist sehr oft einfach nur Schein und Trug.

Wir möchten das aber nicht. Wir wollen normal sein, so normal wie wir einfach sind. Autistisch normal, uns nicht verbiegen müssen, unser Sein nicht verstecken müssen. Akzeptiert werden so wie wir sind. Nicht gequält werden mit stundenlangen Trainingseinheiten, die uns dazu noch bestrafen, weil wir sie angeblich brauchen, während andere Kinder schon lange Freizeit haben. Dressiert zu werden Stunde um Stunde unseren frühen Lebens, ist nicht das, was wir uns unter Kind sein vorstellen.

Wenn wir erwachsen werden und dieses Antrainierte nicht mehr leisten können, wenn wir damit überfordert sind und nicht mehr können, wenn uns die Kraft dazu fehlt und uns die Puste ausgeht, müssen wir umdenken. Wir versuchen dann wieder uns darauf zurück zu besinnen, wie wir wirklich sind, autistischer von aussen könnte man sagen, aber nein, wir legen nur das antrainierte ab und das bedeuten jahrelange harte Arbeit. Tun wir das nicht, gehen wir unter, bekommen eine riesen Depression oder sind nach wenigen Jahren so ausgelaugt, dass wir keine Erholung mehr finden können und an Arbeiten ist dann eh nicht mehr zu denken.

Also bitte liebe ABA-Menschen denkt doch daran, dass wir Autisten sehr wohl wissen wie Autismus wirklich ist, dass wir sehr wohl wissen, was in Therapien passiert, und dass wir in der Lage sind einzuschätzen was gut für uns ist und was nicht. Und das können wir auch nur selber, ein fremder, der nicht im Spektrum ist, kann niemals (auch wenn er noch so viel darüber lernt) nachvollziehen, wie es sich wirklich anfühlt ein Autist zu sein.

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