Aussensicht auf eine Autistin

Da ich mich selten unter fremde leute begebe und ich mittlerweile viel mehr autistische menschen kenne wie neurotypische menschen, bin ich immer wieder gespannt darauf wie ich auf andere menschen wirke. so war ich vor kurzen zusammen mit einer freundin und ihrer kollegin in einem Tierasyl in kroatien. wir haben dort drei tage lang verbracht und diese kollegin hatt vorher noch nie kontakt zu einem autisten , darum war ich sehr gespannt darauf wie ich auf sie gewirkt haben muss. sicherlich kamen in diesen tagen viele kompensationsstrategien von mir zum einsatz. ich bat sie danach einen kleinen bericht zu schreiben, wie sie mich erlebt hat. diesen bericht möchte ich hier veröffentlichen, eventuell ist dieser für meine leser auch sehr interressant. auch poste ich ihn um vorurteile abzubauen.  ich finde sie hat sich in der zeit richtig mühe gegeben und ein enormes interresse war bei ihr vorhanden. so habe ich oft fragen beantwortet die zur aufklärung bei getragen haben. Hier also ihr bericht und wie sie mich wahrgenommen hat, viel spas beim lesen.

 

Meine Reise mit Sam – erster Kontakt mit einer Autistin

Wir planten unsere nächste Spendenfahrt nach Rijeka ins Tierasyl. Schon sehr früh stand fest, dass es um Ostern herum sein würde, da es ja nur in den NRW-Schulferien geht. Eines Tages fragte Birgt, ob ich etwas dagegen hätte, wenn Sam mitkommt. Sie wäre so neugierig auf das Asyl und die Hunde. Ich kannte Sam nur dem Namen nach, Birgit hat öfter äusserst positiv von ihr erzählt. Natürlich hatte ich nichts dagegen.

Von früheren Gesprächen über Birgits Job wußte ich, dass einige Autisten keinen körperlichen Kontakt möchten und sam dazu gehört .Also beim Begrüßen nicht die Hand geben oder womöglich noch umarmen usw. Darauf konnte ich mich gut einstellen. Wir haben uns bei unserer Kassenwärtin Angelika getroffen und Sam kam mir dort aus dem Haus entgegen. Wir schauten uns an, sie lächelte etwas verlegen und ich fragte, ob sie Sam sei. Dann habe ich mich vorgestellt und schon hatten wir unser 1. kleines Gespräch. Alles ganz normal.

Anschließend packten wir die Sachspenden aus meinem Auto in Birgits Auto und dann wurden wir bei Angelika fürstlich versorgt mit einem leckeren, bayerischen Mittagessen. Wir haben kräftig zugeschlagen und machten uns gegen 13 Uhr wieder auf den Weg in Richtung Süden. Sam und René saßen hinten (viel Platz hatten sie nicht – René ist Birgits Hund). Mit Pausen waren wir um 19 Uhr in Rijeka und bezogen dann die Wohnung von Zdenka`s Sohn. Dort gab es 1 Schlafzimmer und 1 Wohnzimmer mit Schlafcouch. Wir haben Sam aussuchen lassen, wo sie lieber schlafen würde und sie hat sich für das Wozi entschieden. An dem Abend waren wir relativ früh im Bett. Am nächsten Morgen war der Frühstückstisch gedeckt und Sam kümmerte sich ganz prima um unseren Kaffee. Nach dem Frühstück hat sie abgewaschen und mir ist aufgefallen, dass sie erst die 3 Messer und dann jeden Teller einzeln abgeräumt und gespült hat. Anschließend sind wir dann ins Asyl gefahren und man hat deutlich gemerkt, dass Sam sehr gespannt, neugierig und aufgeregt war. Dort angekommen, haben wir erstmal das Auto leergeräumt. Dann hat jeder seine Zwingerreihe „bearbeitet“. Sehr schnell bemerkte ich, dass die Hunde gerne auf Sam zugegangen sind. Also noch ein bisschen eher als bei Anderen. Sam hat ein sehr gutes Gespür für die Tiere, hat Geduld und strahlt Ruhe aus. Also perfekt für die Tiere. Und nicht nur die Tiere, auch Sam schien glücklich zu sein. Die Zeit ging sehr schnell rum und schon hatten wir „Feierabend“ im Asyl. Wir fuhren in unsere Wohnung auf Zeit und Sam meinte, sie möchte so gerne das Meer sehen. Also machten wir uns auf in den Hafen von Rijeka. Gingen um das Hafenbecken und hielten uns einen Moment an der Mole auf. Dort nahm sie einen Moment für sich und saß im Schneidersitz auf der Mole und schaute auf das Wasser. Das hat sie wohl gebraucht……..sie bedankte sich mehrfach bei uns, dass wir ihr das möglich gemacht haben. Auch Dienstag und Mittwoch haben wir im Asyl mit angepackt. Sam blieb in „ihrer“ Zwingerreihe, denn da kannte sie bereits alle Hunde und den Ablauf. Am meisten hat es ihr Siska angetan, eine Hündin, die sehr auf die Volontärin Diana fixiert war und nur mit ihr den Zwinger verließ. Da aber Diana nun in Zagreb studiert, hatte Siska noch keine Ersatzperson gefunden und blieb so – auch bei offener Zwingertür – lieber im Zwinger. Bis Sam kam . Die ließ Siska alle Zeit der Welt und so lief sie bereits am Dienstag mit Sam im Auslauf rum und am Mittwoch sogar auch noch aus dem Auslauf raus. Leider hatte Sam Hundemitbringverbot, ansonsten hätten wir Siska nur zu gerne mitgenommen.

Und auch am Mittwoch, unserem letzten Tag im Asyl, bewies Sam ihre „Hundepflüsterqualitäten“. Die kleine Greta sollte mal an der Leine laufen und schlotterte nur so vor Angst. Dank Sam und auch René, Birgits Hund, ging es nachher wesentlich besser.

Die Rückreise war zwar noch etwas kompliziert, da wir erst einen langen Stau hatten mit Vollsperrung der Autobahn in Österreich und uns das 2 Stunden Zeit kostete. Anschließend hatten wir dann eine Panne und mussten auf ein anderes Auto „umsteigen“. Und Birgit und Sam hatten dann noch mit genau diesem Leihwagen des ADAC wieder eine Panne – Marderbiss. So waren die Beiden letztendlich erst um 5 Uhr morgens zu Hause – nach 21 Stunden Fahrt.

 

Alles in allem kann ich nur sagen, dass die Zeit mit Sam eine sehr gute Zeit war. Wir haben schöne Gespräche geführt und ich habe es sehr genossen.

Ich denke, sie hat sich auch wohlgefühlt. Am meisten sicherlich im Asyl bei den Hunden.

Es war mein erster Kontakt mit einem Autisten und der war sehr positiv.

 

 

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