Sportschau

In den letzten Jahren habe ich immer mal wieder mit meinem Freund darüber nachgedacht, welchen Sport ich als Autistin denn gut ausüben könnte. Angefangen haben wir mit Fussball.

Fussball:
Eigentlich ein Sport der nicht gut für Autisten geeignet ist, weil es meistens sehr laut wird und man in einer Mannschaft spielt. Dazu kommen die Regeln die nicht immer ganz klar definiert sind. Ich hätte mir für mich in so einer Mannschaft nur eine Position vorstellen können, nämlich den Torwart. Ständiger konzentrierter Blick auf ein Objekt. Ok, das sagt den meisten Autisten – so wie mir auch – wieder zu. Details erkennen und wiederkehrende Muster finden würden mir bestimmt dabei helfen, den Ball gut einschätzen zu können. Naja, vielleicht wäre so eine Position gut für mich. Versuchen wir es mal.  Schon beim ersten Spiel kristallisierte sich heraus das es definitiv keine Sportart für mich war. Denn kaum hatte ich mal einen Ball durchgelassen schimpften meine Teamkollegen mit mir, das fand ich nicht nur nicht schön, sondern auch viel zu laut für meine Ohren. So fanden sie ein ängstliches Auti unter dem Tor. Nichts ging mehr.

Das nächste was ich ausprobierte war

Tennis: 
Hierbei handelt es sich um ein Spiel das maximal mit 4 Personen aber meistens mit zwei Personen gespielt wird. Dabei hat man einen Schläger in der Hand und muss auf einen Kleinen gelben Ball achten. So weit so gut. Mit meinem Detailblick müsste das ja sehr gut funktionieren. Mal abgesehen davon, dass ich noch ziemliche Koordinationsschwierigkeiten habe und Entfernungen nicht richtig einschätzen kann, war das wohl bei genauer Betrachtungsweise eine sehr blöde Idee. Schon das erste Probetraining zeigte das ich nicht in der Lage war auch nur einen einzigen Ball richtig zu treffen und zurück zu schlagen. Dazu war ich ziemlich ungeschickt mit dem Tennisschläger der andauernd entweder auf meinem Gesicht oder sehr hart auf meinen Zähne landete. Fazit: Eine eingehauene Nase und zwei halbwegs Blaue Augen die von zwei Bällen getroffen wurden.

Kampfsport:
In einem Dojo sollte das stattfinden. Im Vorfeld hatte ich mich darüber informiert. Der Sport soll Selbstvertrauen stärken, einen generell vor Angreifern schützen. Dazu soll er die Motorik verbessern und die Beweglichkeit fördern. Super! Das brauche ich doch alles, dachte ich bei mir und absolvierte auch hier ein Probetraining. Natürlich ging das nicht ohne Gruppensport, aber hier standen zumindest die meisten Leute alleine in Reihen Hintereinander. Das war ok. Bis… ja bis auf einmal der Trainer zu mir kam und Einzeltraining machen wollte. Au… weia… Da war mein Anfassproblem.
Ne, bitte nicht berühren, dachte ich nur noch. Kurz darauf fand ich mich auf der Matte wieder. Selbst redend, dass ich ziemlich erschrocken aufstand und ziemlich schnell nach Hause ging. (meine Sporttasche, müsste immer noch dort stehen).

Dann nach langer Pause, denn vom Sport hatte ich erst einmal die Nase voll, eine weitere Idee. Dieses mal ging ich vorsichtiger und überlegter an die Sache heran. Informierte mich sehr lange und überlegte ob diese Sportart wirklich meine Defizite berücksichtigte und meine Stärken fördern bzw. mir dabei helfen würde meine ziemlich schlechte Motorik zu verbessern. Der Sport den ich mir dann aussuchte hieß

Kraftsport: 
Im Fitnessstudio – so meine Überlegung – kann man alleine an Geräten trainieren. Ist also relativ geschützt vor anderen Leuten. Man muss keinen Smalltalk halten, es sei denn man würde ein Studio erwischen wo man gesellschaftlich gezwungen wäre Drinks an Theken zu sich zu nehmen. Aber das war in meinem Wunschstudio nicht. Es könnte laut sein, da aus Lautsprechern Musik dröhnen könnte. Das empfand ich als hinnehmbares Übel, könnte ich das doch mit Ohrstöpsel wettmachen. Eine weitere Hürde würde das vereinbaren eines Probetraining bedeuten. Hier wurde ich allerdings positiv überrascht. Die Terminvereinbarung konnte ich komplett per e-mail handhaben. *Daumen hoch*. (Telefonieren fällt mir nämlich sehr schwer). Vorsorglich nahm ich dieses mal meinen Betreuungsdienst mit zum Probetraining, der sollte sofort eingreifen wenn dieser Trainer, den ich dann nach dem ersten Mal wieder los sein sollte, anfassen wollte. Schon das eintreten war einfacher wie bei den anderen Sportarten. Einfach Karte hinhalten, durch die Schranke und keiner der mich anquatschte. Das war angenehm. So hatte ich einiges an Zeit um mich an die neue Umgebung zu gewöhnen und mir schon mal an den Terminals die Geräte anzuschauen. Ich hatte mir extra einen sehr frühen Termin geben lassen. Mein Gedanke dabei war, dass es so früh wohl bestimmt nicht so voll wäre und tatsächlich war in diesem Studio so früh auch nichts los. Das brachte weitere Pluspunkte für das Fitnessstudio. Das Training überstand ich dieses mal ohne nennenswerte Schäden. Ich fand den Trainer sogar recht nett. Dieser zeigte mir gleich die ganzen Geräte und gab mir eine Einweisung darauf. Danach durfte ich ganz alleine an die Geräte heran, man hatte mir erklärt was ich alles durfte. Also auch das Einstellen der Geräte erlaubte man mir nochmals ausdrücklich. Für mich und meine Barrieren empfand ich diesen Sport als barrierefreieste Variante von allen und so entschloss ich mich heute dazu aus dem Probetraining ein Abo werden zu lassen.

Zum Leidwesen meines Betreuers der nun die gnädige Aufgabe hat mich jedesmal begleiten zu müssen und dass morgens um 6 Uhr, da ich befürchte das es sonst zu voll wird. 😉

Fazit:
Einen Sport für mich erfolgreich gefunden

 

2 Gedanken zu “Sportschau

  1. Ich habe das Fitnessstudio wieder aufgegeben. Irgendwann wurden mir die immer gleichen Übungen an den Geräten zu langweilig, und ich musste mich regelrecht zwingen dahin zu gehen. Das könnte aber daran liegen, dass ich ganz allgemein ein ziemlicher Sportmuffel bin.

    Ich überlege derzeit, ob ich Bogenschießen anfange. Das habe ich im Urlaub mal versucht. Es macht unheimlich viel Spaß!

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Spaß beim Sport!

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