Fußball oder was seht ihr?

Laut gröhlende und klatschende Menschen und ich mitten drin.

Oder besser gesagt: am Rand des Geschehens, ganz weit hinten in einer Ecke verkrümmelt. Mal wieder habe ich vergessen darüber nachzudenken, wie ich denn wieder aus dieser Ecke heraus kommen soll.

Ich war die erste die auf der Tribüne einen Sitzplatz fand. So setzten sich die Leute nach und nach immer dichter neben mich. Nun bin ich zugebaut und komme nicht mehr raus. Angestrengt überlege ich, wie ich denn durch diese Menge durch kommen könnte, um an die Treppe zu gelangen. Rechts neben mir fangen meine Überlegungen an: da sitzt ein Mann, und ich frage mich, ob diese Information wohl wichtig ist, um eine Frage formulieren zu können. Neben ihm sitzt eine Frau. Seine Frau. Ich sehe es an ihren Eheringen, denn diese sind beide gleich. Darf ich ihn denn nun überhaubt ansprechen, Könnte es dann nicht sein das seine Frau sauer auf mich wird?

Doch die Lautstärke um mich herum, macht es mir unmöglich solche Sätze wie:
„Entschuldigen sie, dürfte ich mal bitte durch?“, zu formulieren. Daher gebe ich den Wunsch hier heraus zu kommen am besten auf.

Mein Blick geht durch die Halle, runter an den Spielfeldrand. Am Fuße der Tribüne fällt mein Blick auf die Trikots der Spieler. Gesponsort bei Firma xy kann ich darauf lesen. Sofort geht mein Blick einmal von Links nach Rechts über die Köpfe der Leute hinweg. Ganz klar knapp 200 Leute sehen gerade diese Werbung. Sofort stellt sich mir die Frage, während ich diese Trikots wohl nie vergessen werde: „Wieviele Menschen in dieser Halle diese Werbung überhaupt wahrgenommen haben?“
Noch mehr aber frage ich mich, welche dieser Leute an die Mannschaft denken, wenn sie einmal in dieser Werbefirma stehen?“

Das wird wohl der allerkleinste Teil dieser Masse sein, für die es gerade nur wichtig zu sein scheint, ob und wer gerade gewonnen oder verloren hat.

Ich überlege weiter, ob das wohl an meiner Filterschwäche liegt, dass ich über all diese Sachen nachdenken muß ? Und das Ganze wahrnehme, wärend die anderen um mich herum nicht bemerken wie sehr ich hier raus will und nur an dem nächsten Tor Freude finden.

Ich bemerke schnell: ich gehöre hier nicht her!

 

(Dieser Text wurde tatsächlich, heute während einer solchen Veranstaltung geschrieben, darum wird er auch in der Gegenwartsform veröffentlicht.)

6 Gedanken zu “Fußball oder was seht ihr?

  1. Ich kann nur erahnen wie du dich gefühlt hast. Ich leide etwas unter platzangst. Für mich ist so ein stadion auch nichts. Als ich damals im stadion war. … schalke… hab ich die Werbung nicht richtig wahrgenommen. Hab mir immer die Menschen angeschaut. Aber mich kriegt .an auch nicht mehr ins stadion.

  2. hi sam. die gedanken die du hier geschrieben hast, würden meinen gleichen…und das fast zu 100%. ich war auch oft in frankfurt im stadium, um football zu schauen. obwohl ich an platzangst leide, habe ich mich immer wieder diesen situationen ausgesetzt um die frankfurt galaxy zu sehen! mir hat es förmlich die kehle zugeschnürt, wenn ich durch die menschenmassen musste. dieses nach einem fluchtplan suchen, ist immer allgegenwärtig. mir geht es aber nicht nur bei massveranstalltungen so. ich komme immer wieder in diese situation, deswegen suche ich mir fast immer bekannte plätze, deren gegebenheiten ich kenne.also nicht denke müssen und den kopf frei haben für andere sachen, die evtl wichtig werden könnten.

    was bei mir auch ein großes problem ist, ich sehe immer so viele kleine details, dass ich machmal das eigentliche hauptgesschehen aus den augen verliere und hinterher nichts mehr dazu sagen kann. also ehrlich, als zeuge bei einem banküberfall wäre ich völlig untauglich. ich wüsste wohl alles, aber nicht das was wichtig ist oder wäre.

    lg micha/Oso de Peluche

  3. ja, ich könnte als zeuge eines bankraubes, alles bennen sogar die Schuhgröße, oder Fingerlänge des Bankräubers, aber wehe man fragt mich nach dem Gesicht oder den Haarfrisur 😉

  4. beim football habe ich mehr zeit damit verbracht, mir am spielfeldrand die aufgesprühten logos der beiden mannschaften zubetrachten als das spiel zu verfolgen. auch für die gedanken über die entstehung der logos, ist sehr viel zeit ins land gegangen.

    Micha

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