Die Reise nach Hamburg – von schrumpfenden Zügen und den tücken der Technik

Heute ausnahmsweise mal einen Blogpost von meinem Freund geschrieben.

Die Reise nach Hamburg – von schrumpfenden Zügen und den tücken der Technik

Am 18.2. sind wir zu unserem ersten Arbeitskreistreffen in Hamburg gereist. Das Treffen war toll und es wird noch einen separaten Bericht dazu geben.

Unsere Fahrt nach Hamburg allerdings ist einen Bericht für sich wert.

Als Autistin plant meine Frau jede unserer Touren minutiös. Von der Route selbst, über Pausenstops bis hin zu den Papiertaschentüchern in der Handtasche ist alles genau eingeplant.

Eine gewisse Felxibilität hat sie sich im Zusammenhang mit der Bahn ja schon antrainiert. Aber heute sollte alles drunter und drüber gehen.

Doch der Reihe nach…..

Wir fuhren um 9.13 Uhr mit der Buslinie, die fast vor unserer Tür hält, bis zum Bahnhof. Um 09.39 Uhr fährt unser Zug nach Duisburg.

Bisher klappt alles gut. Bus pünktlich, Bahn pünktlich.

Das hätte mich eigentlich schon stutzig machen müssen. Alles begann reibungslos. Das konnte nur schiefgehen.

So kam es auch…..

In Duisburg mussten wir etwa 15 Minuten auf unseren Anschlusszug warten. Der kam auch pünktlich, was uns sehr beruhigte, da genau diese Linie zu massiver Überfüllung und Verspätungen neigt.

Unsere Vorfreude währte aber nur kurz. Der Zug kam zwar pünktlich, fuhr aber nicht pünktlich ab, sondern bereits 15 Minuten verspätet, da ein Passagier medizinisch behandelt werden musste.

Noch in der naiven Hoffnung, dass der Zug seine Verspätung bis Minden würde aufholen können, fuhren wir endlich los.

Natürlich holte er die Verspätung nicht auf. In Minden angekommen, waren es bereits knapp 20 Minuten Verspätung.

Das Resultat: Anschlusszug verpasst.

So werden aus 20 Minuten Verspätung, 1 Stunde. So lange dauerte es, bis der Folgezug eintraf, mit dem wir weiterfahren konnten.

Nachdem wir uns bis Hannover durchgehangelt hatten, waren wir etwas beruhigter. Der Rest der Strecke ist seltener von Verspätungen betroffen. Die verlorene Stunde war noch nicht so katastrophal, da meine Frau so etwas in ihrer Planung berücksichtigt hatte. Wir würden immer noch pünktlich in Hamburg ankommen.

Denkste…….

Von Hannover aus, wo wir auf der Hinreise auch den längsten Aufenthalt hatten, ging es dann zunächst recht ereignislos weiter. Wir hatten noch kurz bei einem asiatischen Imbiss ein paar gebratene Nudeln gegessen, bevor wir dann weiterfuhren.

Wir kamen Hamburg immer näher. Es sollte die Etappe von Verden nach Rotenburg folgen.

In Verden angekommen spazierten wir gemütlich zu dem Bahnsteig, von dem aus wir weiterreisen wollten. Auf dem Bahnsteig angekommen, sackte uns die Kinnlade nach unten und wir prusteten gleichzeitig los vor lachen. Unser Zug stand bereits auf dem Gleis.

Naja….. Zug?

Unser „Zug“ war etwas kurz geraten. tatsächlich war es der kürzeste Zug den ich je gesehen hatte.
Er bestand nur aus der Lok und einem Triebwagen für die entgegengesetzte Fahrtrichtung, mit einigen wenigen Sitzplätzen für die Passagiere.

Mit diesem Zug bummelten wir nun nach Rotenburg.

In Rotenburg würden wir nur ganz kurz Aufenthalt haben. Das wussten wir schon.

Wir mussten uns also beeilen. Wir hatten nur ca. 5 Minuten um auf das Gleis für unseren Anschlusszug nach Hamburg zu gelangen.

Das war an sich auch kein Problem – war es doch der Nachbarbahnsteig.

Wir liefen nach der Ankunft schnell rüber zu Gleis 5.

Noch 3 Minuten bis der Zug eintrifft.

Gerade so geschafft. Noch schnell mittels der Bahn-App überzeugt.

Ja! Richtes Gleis, richtige Uhrzeit. Anzeige sagt, Zug hat sogar 5 Minuten Verspätung.

Alles gut……

Der Zug kommt und wir steigen ein. Der Zug fährt los und wir freuen uns gleich den hamburger Hafen, die Hallen und das Gebäude vom „Spiegel“ zu sehen.

Nach etwa einer halben Stunde rückt der Fernsehturm in mein Blickfeld.

Ich denke noch: „Hm. Jetzt schon? Ist doch erst eine halbe Stunde. Die Fahrt sollte doch 1 Stunde dauern.“

Dann denke ich: „Eigentlich siehst du den Turm doch gar nicht bei der Einfahrt nach Hamburg“

Dann: „Moment. Der sieht auch gar nicht aus wie der Turm in Hamburg!“

Panik macht sich breit………

Es war nicht der Fernsehturm von Hamburg, sondern der von Bremen.

Danke schön Bahn-App. Wie gesagt: richtiges Gleis, richtige Uhrzeit….. falscher Zug.

So saßen wir also in Bremen statt in Hamburg. Genau die entgegengesetzte Richtung.

Laut Durchsage sollte der Zug nach einem kurzen Aufenthalt in Bremen wieder nach Hamburg fahren. Es war also ein Pendelzug.

Wir blieben sitzen. Was sollten wir auch anderes tun?

Somit verloren wir wieder eine Stunde. Jetzt reichte unser Zeitfenster definitiv nicht mehr aus. Aber was sollten wir machen.

Also fuhren wir dann endlich von Bremen (wieder über Rotenburg) nach Hamburg.

Im Hauptbahnhof angekommen musste sich mein Schatzi erstmal orientieren. Der Bahnhof sah so anders aus, als wir ihn kannten. Sonst sind wir immer nach Weinachten in Hamburg und der Bahnhof ist dann noch festlich geschmückt. Da meine Frau ein Bildgedächtnis hat, war es das dann mit der Orientierung. Aber auch wenn der Bahnhof anders aussah wie sonst, eines blieb gleich: Es war laut und voll…..

Irgendwie habe ich uns dann aus dem Gebäude gelotzt und auch die richtige Richtung zu unserem Treffpunkt gefunden.

Wir waren schon total genervt und abgehetzt, ob der ganzen Verspätungen.
Aber auch die letzten Meter klappten natürlich nicht reibungslos. Das Fußgängernavi bekam keine zuverlässige Positionsangabe. So lag der Treffpunkt mal links von uns, dann mal rechts, und dann mal wieder direkt vor uns.

Nachdem wir 20 Minuten lang um den Treffpunkt „gekreist“ sind, hatte ich die Nase voll.

Wir wollten endlich zum „Landeanflug“ ansetzen.

Also nutzten wir das klassisch-analoge Lokalnavi……

wir fragten Passanten.

Die erklärten uns dann auch den Weg und wir waren in 5 Minuten am Ziel.

Endlich da. Endlich normale Leute in einer normalen Umgebung. Nach 9 Stunden Odyssee nach Hamburg.

Nach dem Treffen – das übrigens toll war (Bericht folgt) – mussten wir gegen Mitternacht noch ins Hotel einchecken.

Aber das ist wieder eine Geschichte für sich……

Von doppelten Hotels und nächtlichem Hunger berichtet mein nächster Blog.

 

 

3 Gedanken zu “Die Reise nach Hamburg – von schrumpfenden Zügen und den tücken der Technik

  1. Das war aber eine Odysee! Wer mit dem Zug fährt, der kann halt was erleben.

    Ich hoffe ihr habt alles gut verkraftet. Was ich nicht ganz verstehe? Wieso seid Ihr über Rotenburg gefahren? Von Hannover nach Hamburg geht doch auch ein IC/ICE, der fährt eigentlich alle Stunde (OK, hat auch oft genug Verspätung..) Der fährt zwar auch über Bremen, also nicht in gerader Line, ist dafür aber schneller.

    Liebe Grüße,
    Jali

  2. wir fahren selten mit einem ICE weil der nahverkehr einfach günstiger für uns ist ;-), wir mussten über Rotenburg weil die Bahn ap nach verpassen unseres anschluss Zuges das als schnellste strecke heraus gesucht hatte. 😉 wären wir so gefahren wie wir gewollt hätten wären wir bestimmt schneller da gewesen *smeile*

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