Der Berg las

Vor ein paar Tagen habe ich eine Einladung zu einer Lesung bekommen.
Die Einladung habe ich sehr gerne angenommen.
Natürlich war ich total aufgeregt. Das erste mal vor Puplikum aus meinem Buch vorzulesen, fühlte sich irgendwie ganz merkwürdig an.
Ich zitterte bevor ich anfing und hoffte, das würde nicht auffallen.
Meine Unsicherheit legte sich auch auf meine Stimme nieder. Meine Stimmbänder vibrierten und ich dachte nur, „oweia, hoffentlich wird das gleich besser.“

Beim Lesen selbst versuchte ich, nur vor mich zu schauen und irgendwie die Besucher auszublenden. Was mir nach einigen nervösen Blicken auch endlich gelang.

Es war eine sehr schöne Veranstaltung.
Trotzdem wurde es sehr anstrengend für mich, da die eingeplanten Pausen durch das Interesse und die zahlreichen Fragen der Besucher verschluckt wurden.
3 Stunden am Stück gelesen, Fragen beantwortet und wieder gelesen.

Zwischendurch musste ich mir etwas Bestätigung zu meiner Beruhigung holen. Dafür fragte ich eine gute Freundin, die mich auch eingeladen hatte ob ich das denn auch wirklich gut machte.
Dann kam mal wieder die Antwort, mit der ich sehr wenig anfangen kann: „Du kannst stolz auf dich sein.“
Oh, ja, das habe ich in der letzten Zeit so oft gehört, aber leider weiß ich nicht so recht was damit gemeint ist bzw. weiß ich nicht wie ich damit umgehen muss/kann.

Stolz Ist ein Gefühl.

Doch wie fühlt sich das nur an?
Ist es vielleicht das, was ich hatte kurz vor der Lesung? Also dieses leise hochkriechen von einem unbestimmten Gefühl in der Bauchgegend was einem die Kehle austrocknen lässt und der Bauch sich furchtbar flau anfühlt?
ist das Stolz ?

Oder ist Stolz, wenn man sich unsicher und ängstlich fühlt?
Wenn man seine Hand ansieht und feststellt das sie zittert und man Angst hat, diese offen auf den Tisch zu legen?

Ist das Stolz? Wenn man nach der Veranstaltung fast in einen Overload reinrutscht, weil gerade alle Gefühle zusammen auf einen einströhmen?
Oder ist der Stolz das, was einem sprichwörtlich den Rücken runter läuft?
Denn auch das gefühl hatte ich dabei.

Die Betonung dieses Satzes – du kannst stolz auf dich sein – lässt mich vermuten, dass man sich irgendwo gut bei dem fühlen muss, was man gerade macht. Aber ich habe ein Problem das für mich zu definieren. Was ist gut fühlen?
Oder ist es das Gefühl der Leere, die man nach einer solchen Aktion in sich spührt, weil nichts mehr da ist und man einfach keine weitere Planung in sich hat?

Vielleicht ist Stolz aber auch ein bischen von allem, das könnte es für mich erklären. Stolz, das kribbeln auszuhalten. Stolz das Gefühl am Rücken erdulden zu können. Stolz das Zittern zu ertragen und trotzdem weiter zu lesen.
Stolz sich vor Aufregung die Bauchschmerzen nicht anmerken zu lassen.
Stolz es zu schaffen zu lesen, trotz trockener Kehle und stolz darauf, den Overload am Ende ausgehalten zu haben.
Wenn ich das so für mich definieren würde, dann müsste ich zugeben das ich verdammt stolz auf mich gewesen bin.
Zum Abschluss zeig ich euch, wie nervös ich war.

Eure Tageshauscaos

Ein Gedanke zu “Der Berg las

  1. Man merkt Dir Deine Nervosität aber nicht wirklich an, jedenfalls nicht in dem Video. Wie das „Live“ gewirkt hat weiß ich natürlich nicht. Aber Dein Vorlesen war echt super!

    Wie definiert man Stolz? Das ist eine echt gute Frage. Ganz ehrlich: Benutzt habe ich das Wort schon öfter, Gedanken darüber was es bedeutet, habe ich mir noch nie gemacht.
    Ich würde es am ehesten als die Freude über eine eigene Leistung (oder die Leistung eines einem nahe stehenden Menschen) beschreiben.
    Stolz ist sehr eng verknüpft mit Selbstwertgefühl. Es ist ein Gefühl, dass dazu beiträgt, Dich selber zu mögen.
    Wenn Du Stolz auf eine Leistung bist, die Du erbracht hat, heißt das nicht unbedingt, dass Dir das erbringen der Leistung selbst Freude bereitet haben, oder leicht gefallen sein muss. Im Gegenteil: Viele Menschen tun Dinge, gerade weil sie schwer sind, Kraft kosten und etwas abverlangen.
    Der Stolz ist dann die Freude darüber, etwas geleistet zu haben, obwohl es nicht angenehm war.
    Meistens tun Menschen solche Dinge für eine Sache, die ihnen sehr wichtig ist; so wie Du ja auch.

    Stolz sein, kann man, und jetzt wird’s kompliziert, auch auf Dinge, die man gar nicht selber getan hat. Eltern sind z.B. Stolz auf ihre Kinder, wenn diese z.B. in der Schule gute Noten haben.

    Manche Leute sind auch Stolz auf so abstraktes Zeug wie ihr Land, oder oder ihre Abstammung; das sind dann aber in der Regel rechte Matschbirnen, die offensichtlich nichts anderes haben, an dem sie ihr Selbstwertgefühl aufbauen können, als so zu tun als ob der Ort an dem sie geboren sind, sie zu etwas Besserem macht als den Rest. Da kann ich Dir aber auch nicht helfen, diese Form von „Stolz“ verstehe ich auch nicht.

    Eines der Probleme ist wohl, dass alle so eine ungefähre Idee haben, wovon die Rede ist, aber jeder dieses Gefühl für sich anders definiert.

    Klar ist aber: „Kannst Stolz auf Dich sein“ ist ein Lob, denn es drückt aus, dass derjenige, der das sagt, Deine Leistung für so anerkennenswert hält, dass es auf andere angemessen wirkt, diesem Stolz Ausdruck zu verleihen. (Als Beispiel: Wenn jemand sagt, er oder sie sei Stolz heute morgen eine Tasse Kaffee getrunken zu haben, wird das im Normalfall eher ein Kopfschütteln hervorrufen, denn Kaffee zu trinken, ist in den Augen der meisten Leute kein Grund Stolz zu empfinden).

    Liebe Grüße,
    Jali

Kommentar verfassen