Erstes großes vereinsübergreifendes SHG-Treffen

Am Abend zuvor habe ich noch einen Anruf bekommen von Silke (vom Autismusverband Rhein Wupper e.V.), die mit mir und einem weiterem Verein (AspieDO) diesen Tag sehr gut durchorganisiert und geplant hat. Die Fahrt nach Hagen in ein Freilichtmuseum.

Obwohl Silke schon über viele Jahre mit Autisten zusammenarbeitet, war diese Veranstaltung auch für sie etwas Neues und sie war deswegen auch ein wenig aufgeregt.
Ich war das natürlich auch, so beruhigten wir uns am Telefon gegenseitig. Es wird schon alles gutgehen. ganz bestimmt ;-).
Schlafen konnte ich kaum. „Hoffentlich kommen auch alle pünktlich zu unserem Treffpunkt.“, gingen mir die Gedanken durch den Kopf.

Am nächsten Morgen ging alles glatt und wir konnten pünktlich aufbrechen, leider wurde eine Begleiterin die mitfahren sollte krank, so dass wir kurzfristig unseren Reparaturworkshop absagen mussten und mein Freund dann doch mitfuhr. Was so nicht ganz geplant war, aber dadurch erhielt ich mehr Sicherheit.

Wir waren mit unserer Gruppe nicht weit gekommen, als ein Auto vor uns auf der Autobahn einem Kleinlastwagen hinten drauf fuhr. Ich sah nur noch, wie sich das Unfallauto drehte und in unsere Richtung schlidderte.
Doch unserer Fahrer (Pino) hat super gut reagiert, ist ruhig geblieben und hat sofort herunter gebremst.
Wir kamen auf dem Seitenstreifen zum Stehen, noch bevor die letzten Teile vom Unfallauto wieder auf der Fahrbahn landeten.
Pino stieg mit meinem Freund aus, während wir anderen uns hinter die Leitplanke stellten.
Sehr schnell war klar, obwohldas Auto wirklich schlimm aussah, waren die Insassen zum Glück nicht verletzt.
Bei dem Anblick des Autos war es nahezu ein Wunder, dass den Leuten in dem Auto nichts passiert war.

Sichtlich erfreut, dass niemand verletzt wurde, fuhren wir mit einem Zeitverlust von ca. 15 Minuten weiter.
Zuspätkommen hasse ich eigentlich und so wurde ich zusehends immer nervöser und war heil froh als wir endlich am Museum ankamen.

Wie viele Autisten sich wohl zusammen finden würden? Würde unsere Vorbereitung ausgereicht haben. Wobei silke die meiste Vorarbeit geleistet hatte und uns ganz viel arbeit einfach abgenommen hatte.

Dann kamen wir am Eingang an und es hatten sich wirklich viele Autisten auf den Weg gemacht, um beim ersten SHG-Treffen dieser Art dabei zu sein. Sogar welche aus Hanover waren dabei.
Wahnsinn. Vielen Dank, dass ihr die weite Strecke auf euch genommen habt.
Ich war überwältigt und hatte einige Tränen in den Augen.
Nach den Eingangsformalitäten ging es auch schon direkt hinein.
Durch unsere Verspätung hatten wir nicht mehr ganz so viel Zeit um zu einem Treffpunkt zu kommen, an dem die erste Führung anfing.
das Wetter war toll. Weder zu kalt noch zu warm und ständig ließ sich die Sonne blicken. Was für ein toller Tag.
Da das Museum in einem Tal zwischen zwei Bergen erbaut war, hatten wir eine richtig tolle Aussicht.

Ich kam mir manchmal etwas verloren vor.
Aber ich habe mit so vielen Autisten gesprochen. Aber natürlich habe ich nicht mit jedem reden können, so gern ich es auch gewollt hätte. Ich konnte mich oftmals einfach nicht entscheiden, zu wem ich nun hingehen sollte und mit wem ich nun reden wollte.
Es waren so viele, mit denen ich hätte reden wollen, dass ich mir gewünscht habe ich könnte mich vierteilen oder mich schnell mal klonen lassen.
So blieben manche Gespräche leider einfach auf der Strecke. Aber ich habe auch so jede Menge neue, tolle Autisten kennengelernt. Die verpassten Gespräche, die hole ich nach! Versprochen…

Überall sah man nur gute Laune und hörte, wie super die Anderen diesen Ausflug fanden und einige wollten gar nicht mehr weg.
Viele haben uns gebeten so einen Ausflug noch einmal zu machen. Sie wären mit Sicherheit auch alle wieder dabei.
Das hat mich am meisten gefreut. Das war Bestätigung für die Planungsphase und ein tolles Dankeschön an alle, die gekommen waren und die das Event geplant hatten.

Wir gingen auseinander mit dem festen Vorsatz, das muss wiederholt werden. Auf jeden Fall.

Tolles Wetter, geile Leute, geniale Location.
Man war das ein genialer Tag.

Es grüßt euch eure Tageshauscaos,
die dieses Event, als eines der tollsten Museumsbesuche für sich verbuchen kann.

und ein herzliches Dankeschön an alle, die dort vor Ort waren.

Hier noch ein paar Fotos davon:

Nur der Nuhr

Ok, dann meld ich mich auch mal zu Wort.

Normaler weise halte ich mich ja aus sowas echt heraus, doch heute Abend will mir das einfach nicht gelingen. Dafür bin ich wohl zu sauer und auch ziemlich gekränkt.
Was zum Henker, Herr Nuhr, haben sie sich nur dabei gedacht, 800.000 in Deutschland lebenden Autisten so den Abend zu vermiesen.
Ihr Tweet über Twitter und Facebook

Dieter Nuhr@dieternuhr 9h

FAS: Limburger Bischof eventuell Autist? Ist das nicht Bedingung, um das Zölibat zu überleben?
hat bei vielen Autisten voll ins Schwarze getroffen. Viele von uns würden sich eine feste Beziehung wünschen, schaffen es aber auf Grund ihrer Sozialkompetenzschwierigkeiten nicht, einen geeigneten Partner zu finden.
Ich weiß nicht wie viele Autisten das Zölibat abgelegt haben, oder freiwillig danach leben. Sehr viele dürften es aber nicht sein.
Gerade in letzter Zeit muss der Autismus für alles und jeden als Entschuldigung herhalten.
Da sind wir mal schnell Prügelknabe, Freaks die amoklaufen oder wir werden mit Politikern auf eine stufe gestellt.
Gerade vor ein oder zwei wochen musste sich der Journalist Stefan Niggemeier für seine Entgleisungen in Richtung der Autisten, öffentlich entschuldigen.
Sagen wir mal, er musste nicht, er hat es getan und somit Größe gezeigt.
Das wurde ihm dann auch hoch angerechnet, von den meisten Autisten.
Herr Nuhr, sie hätten jetzt die Gelegenheit es dem Journalisten nach zu tun.
Zumindest würden sie dann etwas Courage zeigen.
Wir versuchen uns gerade etwas Annerkennung zu erkämpfen, was verdammt noch mal nicht leicht ist und dann kommen sie und treten viele Autisten einfach so mit den Füßen.
Dazu regen sich dann noch einige darüber auf, dass wir uns bei Facebook in den Kommentaren nun zur Wehr setzen. Hey das ist unser gutes Recht. Ja, zugegebenermaßen ist man es nicht unbedingt gewöhnt, dass Autisten sich auch mal wehren. Aber genau das ist es, woran wir gerade sehr hart arbeiten.
Eine Stimme zu bekommen die auch endlich mal gehört wird.
Im Moment kann ich nicht viel mehr darüber schreiben, ohne das mir der Kragen restlos platzt. Selten bin ich so wütend auf etwas gewesen. Wir sind keine Massenmörder, keine gefühllose Monster, sind nicht der Fußabtreter der Politik und das letzte was wir noch wollen ist, ein Schimpfwort zu sein. Das waren wir lange genug.
liebe Grüße 

Der Berg las

Vor ein paar Tagen habe ich eine Einladung zu einer Lesung bekommen.
Die Einladung habe ich sehr gerne angenommen.
Natürlich war ich total aufgeregt. Das erste mal vor Puplikum aus meinem Buch vorzulesen, fühlte sich irgendwie ganz merkwürdig an.
Ich zitterte bevor ich anfing und hoffte, das würde nicht auffallen.
Meine Unsicherheit legte sich auch auf meine Stimme nieder. Meine Stimmbänder vibrierten und ich dachte nur, „oweia, hoffentlich wird das gleich besser.“

Beim Lesen selbst versuchte ich, nur vor mich zu schauen und irgendwie die Besucher auszublenden. Was mir nach einigen nervösen Blicken auch endlich gelang.

Es war eine sehr schöne Veranstaltung.
Trotzdem wurde es sehr anstrengend für mich, da die eingeplanten Pausen durch das Interesse und die zahlreichen Fragen der Besucher verschluckt wurden.
3 Stunden am Stück gelesen, Fragen beantwortet und wieder gelesen.

Zwischendurch musste ich mir etwas Bestätigung zu meiner Beruhigung holen. Dafür fragte ich eine gute Freundin, die mich auch eingeladen hatte ob ich das denn auch wirklich gut machte.
Dann kam mal wieder die Antwort, mit der ich sehr wenig anfangen kann: „Du kannst stolz auf dich sein.“
Oh, ja, das habe ich in der letzten Zeit so oft gehört, aber leider weiß ich nicht so recht was damit gemeint ist bzw. weiß ich nicht wie ich damit umgehen muss/kann.

Stolz Ist ein Gefühl.

Doch wie fühlt sich das nur an?
Ist es vielleicht das, was ich hatte kurz vor der Lesung? Also dieses leise hochkriechen von einem unbestimmten Gefühl in der Bauchgegend was einem die Kehle austrocknen lässt und der Bauch sich furchtbar flau anfühlt?
ist das Stolz ?

Oder ist Stolz, wenn man sich unsicher und ängstlich fühlt?
Wenn man seine Hand ansieht und feststellt das sie zittert und man Angst hat, diese offen auf den Tisch zu legen?

Ist das Stolz? Wenn man nach der Veranstaltung fast in einen Overload reinrutscht, weil gerade alle Gefühle zusammen auf einen einströhmen?
Oder ist der Stolz das, was einem sprichwörtlich den Rücken runter läuft?
Denn auch das gefühl hatte ich dabei.

Die Betonung dieses Satzes – du kannst stolz auf dich sein – lässt mich vermuten, dass man sich irgendwo gut bei dem fühlen muss, was man gerade macht. Aber ich habe ein Problem das für mich zu definieren. Was ist gut fühlen?
Oder ist es das Gefühl der Leere, die man nach einer solchen Aktion in sich spührt, weil nichts mehr da ist und man einfach keine weitere Planung in sich hat?

Vielleicht ist Stolz aber auch ein bischen von allem, das könnte es für mich erklären. Stolz, das kribbeln auszuhalten. Stolz das Gefühl am Rücken erdulden zu können. Stolz das Zittern zu ertragen und trotzdem weiter zu lesen.
Stolz sich vor Aufregung die Bauchschmerzen nicht anmerken zu lassen.
Stolz es zu schaffen zu lesen, trotz trockener Kehle und stolz darauf, den Overload am Ende ausgehalten zu haben.
Wenn ich das so für mich definieren würde, dann müsste ich zugeben das ich verdammt stolz auf mich gewesen bin.
Zum Abschluss zeig ich euch, wie nervös ich war.

Eure Tageshauscaos