Der Tag Danach

Gerade eben habe ich meine Augen geöffnet und langsam merke ich, wie jeder Muskel sich vor Schmerzen meldet.
Ach ja, schon fast wieder vergessen.
So langsam komme ich aus dem Halbschlaf heraus.
Es kommt mir vor, als ob ich immer noch Träume.
Kann das sein, dass ich da gestern tatsächlich eine Rede auf unserem ersten Symposium gehalten habe?
WOW
Immer noch kaum zu glauben…
Gestern Morgen um die gleiche Zeit war ich noch sehr nervös und sehnte eigentlich das Ende des Tages herbei, um endlich wieder Ruhe finden zu können.
Und dann ging alles irgendwie ganz schnell.

Erst waren noch die anderen Redner dran und ich hüpfte ständig nervös hin und her.

Die Vorträge an sich waren alle super interessant und ich dachte, dass in der Mittagspause alle Leute was esssen würden und sich eher nicht miteinander unterhalten würden.
Doch das kam ganz anders.

Ich stellte mit Erstaunen fest, dass sich in der Mittagspause der Saal mit vielen durcheinander redenden Leuten mit Klang füllte .

Wahnsinn, was für eine Geräuschkullisse.
Überall um mich herum wurde diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht und neue Bekanntschaften geknüpft und das Schönste war, überall wo man vorbei lief redeten die Leute nur über mein Lieblingsthema: den Autismus.
Einen Tag lang sich nur über sein Spezialintresse austauschen zu können, wow, was war das schön.
Dann, nach der Mittagspause, wurden meine Beine weich und meine Knie zitterten. Ich war dran und total nervös.
Meine Güte, die Treppenstufen bis zur Bühne hoch waren gefühlt die Schwersten die ich bis jetzt gegangen bin.
Dann stand ich da oben und schaute auf all meine Freunde die im Puplikum saßen, auf die Autisten und nicht-Autisten, die teilweise extra von weit weg angereist waren und war irgendwie überwältigt, dass so viele Menschen unsere Veranstaltung besuchen kamen.
Die ersten Sätze, noch total holprig und gar nicht flüssig.
Puh. Ein paar mal durchatmen und hoffen, dass es besser wird.
Dann ging alles irgendwie ganz schnell.
Mein Kopf schaltete ab und bis zum Ende meiner Rede konnte ich mich selbst nicht spüren. Ich erzählte einfach nur und hoffte das es dem Puplikum einigermaßen gefallen würde.
Auch eine kleine Panne auf der Präsentationsfolie nahm ich mit Humor. 😉
Ich malte aus Versehen, keine Ahnung wie, auf meiner Präsentation rum, was dann prompt auf der riesigen Leinwand zu sehen war.
UPS.
Naja, ohne Panne bei mir Tageshauscaos geht das wohl nicht. Da ist mein Name einfach Programm. :)
Danach kam die Fragerunde und ich verließ dabei sogar die Bühne.
Es entwickelte sich eine klasse Diskussion zwischen Autisten und nicht-Autisten und ich moderierte das Ganze. Irgendwie voll strange.
Aber das ist es genau, das was sich viele von uns einfach auch mal wünschen. Gespräche miteinander, anstatt übereinander und das hat, zumindest aus meiner Sicht, hervorragend auf dem Symposium funktioniert.
Vielen Lieben Dank an alle, die das möglich gemacht haben.
Auf unser Team bin ich mächtig stolz und es hat sich seit gestern auch wieder vergrößert.
Dann war es auf einmal vorbei. Kaum zu glauben, aber ich stand nach dem Aufräumen auf der Bühne und der Saal war leer.
Genau so leer, wie in diesem Moment mein inneres Ich auch.
Leer, einfach Leer.
Kein Gefühl, keine Angst, kein Glück, nichts. Einfach leer.
Es kam mir so unwirklich vor. Ich Konnte nicht begreifen, dass wir das tatsächlich hinter uns gebracht hatten und noch dazu erfolgreich.
Es kam nur ein Gedanke in mir hoch ……
Nochmal !!

Ja genau.
Das, was dort passiert ist, will ich noch einmal erleben ….
Darum sage ich Danke für euren Besuch des Symposium und Ciao bis nächstes Jahr.

Das machen wir wieder. Noch größer, und mit noch mehr Zeit für Gespräche und Kontakte knüpfen. Mehr netzwerken eben…..

Eure Tageshauscaos

Unsicherheit Angst und alles was dazu gehört

Angst betstimmt Im Moment mein Leben.
Gedanken rasen unaufhörlich durch meinen Kopf, „wird das reichen was ich tue? Werde ich genug sein, kann ich die Erwartungen erfüllen?“
Halte ich dem Allen stand und ist mein Selbstvertrauen so gut, dass ich alles was ich möchte auch gestemmt bekomme, oder habe ich mich sogar übernommen?
Das was ich bis hierher erreicht habe, fühlt sich das eigentlich gut an? Ich weiß es wirklich nicht. Es ist so ein Mix aus innerer Scham, Stolz, Freude und auch eine ganze Menge Angst ist dabei.
Wie nur machen andere Menschen das? Ich fühle mich unwohl, aber auch sehr gut, stolz aber auch entmutet, glücklich aber auch unendlich traurig, und das alles wechselt im Sekundentakt. Ja ich weiß auch, dass der Anfang schwer ist und das man beim Laufen lernen nur so lange hin fällt bis man es wirklich kann. Aber wie oft wird man mir ein Fallen verzeihen? Wie oft darf man straucheln und ab wann muss ich lernen meine Füße besser zu sortieren und kleinere Schritte zu tun.
Auch habe ich immer noch Kommunikationsschwierigkeiten. Ich bemühe mich so gut es geht auszudrücken, was in mir vorgeht. Nicht verstellen sagt man mir. Ich sein. Autentisch sein.
Ja aber wie geht denn das?
Ich bin fast immer ich und kann nicht anders sein.
Was passiert da eigentlich gerade? Ich bin verwirrt und weiß gerade nicht in welche Richtung ich mich drehen kann.
Hoffnung begleitet mich den ganzen Tag. Die Hoffnung, dass wenigstens ein paar Leute hinter dem stehen was ich tue. Hoffnung, dass ich gute Arbeit abliefere und das wenigstens ein paar Menschen zufrieden mit mir sein werden. Hoffnung, dass ich vor Aufregung nicht den Faden verliere (rw).
Unsicherheit, meine Routinen ändern sich zur zeit, ganz stark. Mein Tagesrhythmus stimmt nicht mehr, ist kaum noch aufrecht zu halten. Ich bin nur noch nervös, da ich meine gewohnten Abläufe nicht mehr habe. Alles wird unsicher, alles wird nicht vorausschaubar für mich.
Mein Umfeld wird immer größer ,die Leute mit denen ich rede immer mehr und so langsam beginne ich den Überblick zu verlieren. Das macht mir Angst.
Tag ein Tag aus den gleichen Ablauf zu haben gab mir Sicherheit und Ruhe. Das ist nun vorbei. Alles ändert sich.
Rasant. Vielleicht sogar ein Stück zu rasant für mich ?
Zu der Angst und der Unsicherheit gesellt sich eine Art Freude und ein Wohlgefühl in mir. Immerhin lerne ich fast täglich neue tolle Leute kennen. Kaum einer ist dabei, der mich anfeinden oder mich verspotten würde. So wie es früher oft der Fall war.
Nein ich bekomme sogar auch einige Lobe, was mich erneut vor Probleme stellt. Wie geht man damit denn nur um?
Was sagt man nur darauf?
„Wenn ich dürfte, würde ich dich jetzt umarmen.“
„Warum? „
„Ja weil du das eben richtig gut machst. „
„Wieso?“
„Na einfach nur so“
Und warum habe ich gerade das Gefühl das diese Rückfragen so gar nicht dazu passen wollen.
Schlüsselt mir das bitte einer einmal auf?
Wenig Schlaf, den bekomme ich zur Zeit auch. Aber das ist ja fast Normalzustand und das verbuche ich mal unter „Veränderter Tag-Nacht Rhythmus“.
Dann gibt es noch ganz liebe Leute die diesen Blog lesen, und mir öfter einmal zu verstehen geben das sie noch da sind und das sie mich nicht vergessen haben, auch wenn es hier mal etwas ruhiger wird. Das finde ich voll toll.
Ich hoffe in absehbarer zeit mal wieder meinen Blog öfter bedienen zu können und meine Eindrücke zu schildern.
Das Nächste was ich bestreiten werde, ist meine Gesprächszeit auf einem Autismus Symposium.

Drückt mir die Daumen, dass ich auch diesen Akt ohne weitere Probleme überstehe.

Viele Liebe grüße
Eure Tageshauscaos im Gefühls-Chaos