Autist gesucht

Die folgende Geschichte ereignete sich schon vor ca. 2 Jahren, aber sie ist bis heute in meinem Kopf hängen geblieben. Ich war auf dem Weg zu meinem Diagnosetermin und stand mehr wie nervös auf dem Bahnsteig und wartete dort auf meinen Zug.

Die Menschen um mich herum schauten mich ab und zu komisch an, weil ich sehr nervös auf und ab ging. Das tat ich sehr schnell und ohne auf die Menschen um mich herum zu achten, mein Blick hing dabei immer auf den Boden.

Nur kurz schaute ich auf und ein junger Mann erweckte meine Aufmerksamkeit. Er lief auf der gegenüberliegenden Seite des Gleises im gleichen Tempo auf und ab.
Dabei ließ er seine Arme hoch- und runtergleiten, fast wie ein Vogel der anfangen wollte zu fliegen.
Ich sah auf die Tafel und mir viel auf, warum der Junge so nervös sein musste: sein Zug fiel aus.
Oh je, dachte ich bei mir, in so einem Fall würde ich jetzt durchdrehen, hoffentlich fällt meiner nicht aus.

In diesem Moment lief der Junge schnurstracks auf mich zu, blieb dann ein paar Meter vor mir stehen, schaute auf den Fußboden als wollte er die Striche zählen und rief ganz laut: „Hallo!“
Es klang nicht wie eine Begrüßung, sondern eher als wäre „Hallo“ ein Gegenstand, den er gerade entdeckt hat.
Ich war mir sehr unsicher ob er mich meinte. Ich war ja ebenfalls sehr nervös und brachte eh kein Wort heraus.
Als er merkte, dass es keine Reaktion gab, drehte er sich um und „flatterte“ wieder den Bahnsteig auf und ab.
Mir blieb nur ihn zu beobachten. Ich schmunzelte dabei sichtlich erleichtert, noch so jemanden wie mich an diesem Bahnsteig zu sehen.

Der Junge las dann auch die Tafel und murmelte dann unentwegt: „Was mache ich nur? Was kann ich tun?“
In diesem Moment wurden auch andere Menschen auf ihn aufmerksam und wollten ihm helfen.
Sie liefen auf ihn zu und stellten sich wie eine Traube um ihn herum.
Ich bekam beim Hinsehen schon Schweißausbrüche, meine Güte der arme junge dachte ich bei mir.

Die Gruppe stellte sich immer enger um ihn, weil sie ihm helfen wollten einen Ausweg aus seiner Situation zu finden.
Doch hinter ihm war eine Treppe
In diesem Moment überkam mich die Angst, da er immer weiter zurückwich, dass er die Treppe hinunter fallen könnte.
Deswegen lief ich zu der Gruppe schob mich hindurch und stellte mich zwischen die Gruppe und den Jungen, quasi als Absperrband dazwischen.
Dabei blickte ich auf den Boden, (als wollte ich die Bodenplatten zählen), und rief laut:“Dein Zug kommt nicht. Nimm die Straßenbahn unten vor den Bahnhof, die kommt gleich.“
Er antwortete: „Komme ich pünktlich?“
Ohne es wirklich zu wissen antwortete ich: “Ja mit der Strassenbahn kommst du bestimmt noch pünktlich.“
Er rief noch: “Danke.“, bevor er sich umdrehte und sichtlich erleichtert war der Masse von Menschen entkommen zu können.
Das ist genau zwei Jahre her, solange hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Er trug damals ein rotes T-Shirt, eine hellblaue Jeans, hatte blonde kurze Haare und eine Brille auf der Nase. Immer wieder denke ich an diese Situation und erzähle die Geschichte jedem der sie hören will.

Alle Leute in meiner Umgebung habe ich schon gefragt, ob sie den Autistenjungen vielleicht kennen würden. Keiner kannte ihn :-( .

Doch gestern habe ich ihn erneut gesehen :-)

Ich saß im Bus und fuhr am Bahnhof vorbei und da war er, er stand auf dem Bussteig seinen Blick auf den Boden gerichtet und er war nicht ganz so nervös. Er zählte aber trotzdem die Rillen des Kopfsteinpflasters.

Ich wäre am liebsten rausgestürmt. Wie gerne hätte ich Hallo gesagt. Er hatte wieder sein rotes T-Shirt, eine hellblaue Jeans und dieses mal noch eine Jeansjacke an und einen Rucksack auf dem Rücke. Doch der Bus fuhr weiter. Zu wenig Zeit zum reagieren.

Deswegen nun hier der kleine Aufruf.

Ich suche dich.

Du bist Autist
magst die Farbe rot
hast blonde kurze Haare
bist zwischen 20-25 Jahre alt
und lebst in der netten Stadt Dinslaken.
Und wenn du das hier ließt,
dann melde dich doch bitte mal bei mir.
Am liebsten per Mail an tageshauscaos@gmail.com

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