Wortverfremdung

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich nicht über Wortverfremdungen, besonders in Bezug auf das Wort Autismus, aufzuregen, oder gar darüber zu posten.

Doch heute muss ich es dann wohl doch einmal tun. Die Art, wie das Wort Autismus von der „Zeit“ in diesem Artikel verwendet wird, kratzt doch ziemlich an meinem Ego und ich fühle mich gerade echt beleidigt.
Desweiteren hätte ich doch bitte von der Zeit-Online den sexuellen Autismus, oder was die Schreiberin sich darunter vorstellt, einmal näher erklärt.

Da dies in Zusammenhang mit einem Tanz erwähnt wurde, ging eine Bloggerin bereits davon aus, dass es sich hierbei um einen Vergleich der nervösen Flatter-Zuckungen mancher Autisten handeln könnte. Wenn das wirklich auf diesen Vergleich abziehlen sollte, dann wäre das mehr als eine Unverschämtheit. Die Leute, die als Flashmop tanzen, können damit jederzeit wieder aufhören und haben keinerlei Schwierigkeiten damit.
Diesen Leuten macht es ja anscheinend auch richtig Spass zu „zappeln“. Bei uns ist das aber nicht so. So Mancher von uns wünscht sich, in vielen Situationen, den eigenen Körper besser unter Kontrolle haben zu können.

Also bitte liebe „Zeit“, lasst doch diese komischen Vergleiche, die noch dazu sowieso von niemanden verstanden werden.
Dazu kommt noch, dass ihr irgendwie den Autismus auf das sexuelle herunter reduziert.
Ich weiß gar nicht, wo so ein Thema überhaubt einmal behandelt wurde.
Ich denke nicht, dass wir Autisten mehr oder weniger sexuell sind, wie neurotypische Menschen auch. Diesen ganzen Artikel finde ich daher mehr wie lächerlich und er stellt mal wieder die Autisten in eine völlig falsche Ecke.
Also, mein nochmaliger Apell an die „Zeit-Online“, sowas bitte demnächst einfach zu unterlassen. Denn, wenn ihr das machen würdet, hätte ich meine Bloggzeit mit viel sinnigeren Themen füllen können, statt mich über ihren Beitrag aufregen zu müssen.

mit freundlichen Grüßen

Sam Becker  

P.S. Einen weiteren Lesenswerten Artikel über dieses Thema findet ihr hier

4 Gedanken zu “Wortverfremdung

  1. Lieber Sam, ich lese die Artikel schon gar nicht mehr, ich will mich nicht mehr aufregen müssen. Kostbare Lebenszeit geht damit verloren,die verbringe ich lieber mit meinem Sohn.
    LG

  2. Ich habe das Gefühl, dass „Autismus“ unter Journalisten gerade ein Modewort ist, und sie es cool finden dieses Wort zu benutzen, weil es so schön wissenschaftlich und medizinisch klingt.

    Dazu kommt, dass in den Zeitungen -so meine Erfahrung als „Computer-Nerd“- immer gerne versucht wird Menschen die nicht in den Mainstream passen irgendwie zu pathologisieren. Man muss dem geneigten Leser (der der Durchschnittsjournalist für zu dumm zu halten scheint, aus dem Bus zu gucken) ja ein einfaches Erklärungsmuster anbieten. Was liegt da näher als was zu nehmen, das so schön nach Krankheit klingt, und das alle irgendwie schon mal gehört haben.

    Dass Autismus keine Krankheit ist? Wissen die Leser doch eh‘ nicht! Man hat schließlich eine Mission seine Weltsicht zu verbreiten. Fakten verwirren da nur.

    Manchmal erscheint es mir eine gute Option zu sein, einfach mal auf den Tisch zu brechen (sollte man mal in der Redaktion der „Zeit“ machen).

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